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sleipnir88

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engel ich liebe dich danke für alles. Nur wer sich zum himmel streckt kommt irgendwann bei den sternen an

Hauptstadtclubs haben es schwerMittwoch 20.01.2010 12:23 PM

Außerhalb Berlins würde ein Abstieg der Hertha wohl eher mit Achselzucken, vielerorts sicher mit Schadenfreude zur Kenntnis genommen. Schalke 04 und Borussia Mönchengladbach, um nur zwei Beispiele zu nennen, oder auch Vereine wie der 1. FC Kaiserslautern in der Zweiten Bundesliga haben deutschlandweit bedeutend mehr Anhänger als die Hertha. Hauptstadtklubs haben es ohnehin schwer: In ganz Europa überträgt sich die traditionelle Missgunst der Provinz gegenüber der Metropole auch auf sie. England ist ein Sonderfall, weil London mit fünf Teams in der Premier League, darunter Chelsea und Arsenal, keinen wirklichen Hauptstadtklub hat.

Der amerikanische Soziologe Robert Merton hat die Menschheit in „locals“ und in „cosmopolitans“ aufgeteilt. Im Sport ist jeder ein Lokalpatriot. In der Medienwelt der Globalisierung aber kann man sich überall als Lokalpatriot fühlen, ohne vor Ort zu sein. Das Fernsehen hat den sogenannten Mediensportfan geschaffen – und hat zur „Ent-Territorialisierung“ der Fan-Beziehungen geführt. Man wechselt den Wohnort – und nimmt die ursprüngliche Fan-Loyalität mit sich. Weil ich ein paar Jahre in der Nähe von New York gelebt habe, verfolge ich im Sommer, wie im Baseball die Mets und die Yankees, im Herbst, wie im Football die Giants und die Jets, im Winter, wie im Basketball die Knicks spielen. Und natürlich habe ich mich in den USA über jeden Sieg von Hertha BSC besonders gefreut. Friedrich Nietzsche wollte an die Stelle der Nächsten- die Fernstenliebe setzen. Für den Sportfan liegt darin schon seit Langem kein Unterschied mehr. Wenn das Saisonende naht, zittern in ganz Sport-Europa Fans, die den Abstieg ihrer Mannschaft fürchten. Wer seine Nerven schonen will, sollte für ein amerikanisches Team schwärmen.

Denn die USA, diese bekennende Risikogesellschaft, haben riesige Schutzzonen errichtet, die weitgehend risikoarm sind: Im amerikanischen Sport gibt es keinen Abstieg. Dies gilt für Profi- wie für College-Mannschaften. Egal, wo sie am Ende der Saison stehen: Die New York Knicks werden in der NBA, der National Basketball League, weiter in der Eastern Conference spielen, die Princeton Tigers werden weiter in der Ivy League gegen Harvard und Yale antreten. Das Schlimmste, was Profi- wie College-Mannschaften passieren kann, ist, die Endspiele, die Play-offs, nicht zu erreichen. Absteigen können sie nicht.

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