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with all your lies you're still very lovable..

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KurZgeschiChtenSonntag 17.09.2006 06:55 PM

...von mir...


Ich kenne jemand, jemand der auf der Straße lebt. Ich kenne jemanden, der dort wohnt. In der Nähe vom Bahnhof. Da wohnt sie. Immer wenn ich vorbeigehe weint sie, weint und schluchzt still vor sich hin. Dann trocknet sie sich die Augen und schminkt sich sorgfältig. Dann sieht sie immer sehr schön und doch so traurig aus, als würde sie gleich wieder anfangen wollen zu weinen. Sie ist wirklich hübsch.
Am nächsten Tag,wenn ich komme, weint sie wieder. Sie weint, schluchzt, trocknet und schminkt sich. Vor ihr liegt ein Schild auf dem Boden. Sie hat ihren Mann verloren und wurde verjagt, geschlagen. Sie bittet nicht um Geld. Sie bittet um eure Gedanken. Sie will, dass ihr drüber nachdenkt, was ihr tut. Ihr denkt nicht nach, werft Geld aufs Schild. Dann räumt sie das Geld weg, gibt es jemand Anderes, der es brauch. Und dann weint sie wieder, und sie sieht toll aus dabei.
Seit mindestens einem halben Jahr beobachte ich sie nun schon jeden Tag eine viertel Stunde, immer dann, wenn ich auf den Zug warte. Wenn der Zug kommt, ist sie gerade fertig mit Schminken. Ich steige dann ein, obwohl ich sie viel lieber den ganzen Tag ansehen und nachdenken würde. Wenn ich nach Hause komme, liegt sie meistens auf ihrem Schild und schläft. Auch beim Schlafen ist sie hübsch. Die untergehende Sonne scheint ihr ins Gesicht und es glänzt noch feucht, infolge der letzten Tränen. Noch nie hat die Sonne ihr nicht aufs Gesicht geschienen, wenn ich abends nach Hause komme.
Als ich heute früh mein Haus Richtung Bahnhof, mit vollem Magen, verlasse, regnet es. Ich suche mit den Augen nach der schönen Frau, doch sie ist weg, mitsamt ihrem Schild. Niemand achtet auf den leeren Platz. Ich warte auf die Bahn, doch als sie kommt steige ich nicht ein. Mir ist eben etwas eingefallen. Ich stelle die Aktentasche ab und breite die Arme aus. Dann fange ich mit dem Mund ein paar Regentropfen ein. Sie schmecken salzig.



Fröhlich begrüßt er den Hund, wie er es jeden Tag tut. Er sucht nach etwas zu Essen, doch die Küche ist wie ausgestorben. Ein Bier findet er noch. Er öffnet es und geht ins Esszimmer, legt sich vor den Fernseher. Wie jeden Tag.
Oben in ihrem Zimmer geht seine Frau jeden seiner Schritte im Kopf mit. Sie kennt sie auswendig. Weil sie in dieser Reihenfolge jeden Tag vorkommen. In ihrem Zimmer fühlt sie sich allein, später beim Abendbrot, wie immer gemeinsam, Mann, Frau und Kind an einem Tisch, wird sie ihn mit einem Hallo begrüßen. Kein Kuss wird folgen, keine weiteren Fragen, vielleicht wird sie heute fragen, ob er ihr mal die Butter reicht. Kaum ein Geräusch nimmt man in diesem Haus wahr, die Musik der Tochter, traurig und anklagend, dröhnt solange durchs Haus, bis der Vater irgendwann um Sieben Uhr sagen wird, sie solle leiser machen. So wie er es jeden Tag tut.
Oft finden wir keinen Satz, der zu unseren Gefühlen zur Zeit passt. Ich glaube ich hab einen gefunden. Alles perfekt, nur die Liebe ist weg...




Nasskalter Regen klatschte gegens beschlagene Fenster. Sie saß stumm und allein an einem Tisch und trank den kochendheißen Kaffee. Ihre blonden Haare steckten immer noch unter der Mütze, die sie trug. Die Schneeflocken draußen vor dem Fenster trieben und wirbelten den Fussgängern entgegen und der Regen durchweichte ihre Kleidung. Seufzend stand sie auf und zog sich den Mantel an. Sie legte 2 Geldstücke auf den Tisch. Nach einem kurzen Blick aus dem Fenster, öffnete sie die Tür und verschwand im Regen. Die Flocken flogen ihr ins Gesicht und sie kniff die Augen zusammen. Niemand beachtete die junge Frau, die so unpassend gekleidet war. Viel zu dünn angezogen, zitterte sie und eine Träne rann ihr über die Wange. Heute war Valentinstag.


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