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müller milchFreitag 25.05.2007 09:38 PM

Betreff: - Die Geschichte vom Herrn Müller -

Das hier, das ist der Herr Müller.
Der Herr Müller kommt aus
Aretsried, das liegt in Bayern,
also ganz im Süden. Der Herr Müller
ist ein Unternehmer. Und das, was
in den Fabriken von Herrn Müller
hergestellt wird, habt ihr sicher
alle schon mal gesehen, wenn ihr im
Supermarkt wart.

Der Herr Müller stellt nämlich
lauter Sachen her, die aus Milch
gemacht werden. Na ja, eigentlich
stellen die Kühe die Milch her, aber
der Herr Müller verpackt sie schön
und sorgt dafür, dass sie in den
Supermarkt kommen, wo ihr sie dann
kaufen könnt.

Die Sachen, die der Herr Müller herstellt
sind so gut, dass sogar der
Herr Bohlen dafür Werbung gemacht hat.
Weil der Herr Müller ein Unternehmer
ist, hat er sich gedacht, er
unternimmt mal was und baut eine
neue Fabrik.
Und zwar baut er sie in Sachsen,
das ist ganz im Osten.
Eigentlich braucht niemand eine
neue Milchfabrik, weil es sch on viel
zu viele davon gibt, und diese
viel zu viele Milchprodukte
produzieren, aber der Herr Müller
hat sie trotzdem gebaut.
Und weil die Leute in Sachsen ganz
arm sind und keine Arbeitsplätze
haben, unterstützt der Staat den
Bau neuer Fabriken mit Geld.
Arbeitsplätze hat man nämlich im
Gegensatz zu Milchprodukten nie genug.

Also hat der Herr Müller einen
Antrag ausgefüllt, ihn zur Post
gebracht und abgeschickt. Ein paar
Tage später haben ihm dann das Land
Sachsen und die Herren von der
Europäischen Union in Brüssel einen Scheck
über 70 Millionen Euro geschickt.
70 Millionen, das ist eine Zahl mit sieben
Nullen, also ganz viel Geld. Viel
mehr, als in euer Sparschwein passt.

Der Herr Müller hat also seine
neue Fabrik gebaut und 158 Leute
eingestellt. Hurra, Herr Müller!
Nachdem die neue Fabrik von Herrn
Müller nun ganz viele Milchprodukte
hergestellt hat, hat er gemerkt,
dass er sie gar nicht verkaufen kann,
denn es gibt ja viel zu viele Fabriken
und Milchprodukte.

Na ja, eigentlich hat er das schon
vorher gewusst, auch die Herren vom
Land Sachsen und der Europäischen
Union haben das Gewusst, es ist
nämlich kein Geheimnis. Das Geld
haben sie ihm trotzdem gegeben. Ist ja
nicht ihr Geld, sondern eures.
Klingt komisch, ist aber so.

Also was hat er gemacht, der Herr
Müller?
in Niedersachsen, das ist ziemlich
weit im Norden, hat der Herr
Müller auch eine Fabrik. Die steht
da schon seit 85 Jahren und
irgendwann hatte der Herr Müller
sie gekauft. Weil er jetzt die schöne
neue Fabrik in Sachsen hatte, hat
der Herr Müller die alte Fabrik in
Niedersachsen nicht mehr gebraucht,
er hat sie geschlossen und 175
Menschen haben ihre Arbeit verloren.

Wenn ihr in der Schule gut aufgepasst
habt, dann habt ihr sicher schon
gemerkt, dass der Herr Müller 17
Arbeitsplätze weniger geschaffen
hat, als er abgebaut hat. Dafür hat er

70 Millionen Euro bekommen.

Wenn ihr jetzt die 70 Millionen
durch 17 teilt, dafür könnt ihr ruhig
einen Taschenrechner nehmen, dann
wisst ihr, dass der Herr Müller für
jeden vernichteten Arbeitsplatz
über 4 Millionen Euro bekommen hat.

Da lacht er, der Herr Müller -
natürlich nur, wenn niemand hinsieht.
Ansonsten guckt er ganz traurig
und erzählt jedem, wie schlecht es
ihm geht. Aber der Herr Müller
sitzt nicht nur rum, sondern er sorgt
auch dafür, dass es ihm besser
geht.

Er ist nämlich sparsam, der Herr
Müller . . .
Sicher kennt ihr die Becher, in
denen früher die Milch von Herrn
Müller verkauft wurde. Die schmeckt
gut und es passten 500 ml rein,
das ist ein halber Liter. Seit
einiger Zeit verkauft der Herr Müller
seine Milch aber in lustigen Flaschen,
nicht mehr in Bechern. Die sind praktisch,
weil man sie wieder verschließen
kann und sehen hübsch aus. Allerdings sind
nur noch 400 ml drin, sie kosten
aber dasselbe. Da spart er was, der Herr
Müller - und sparen ist eine Tugend,
das wissen wir alle.

Wenn ihr jetzt fragt, warum solche
Leute wie der Herr Müller nicht
einfach an den nächsten Baum gehängt
werden, dann muss ich euch sagen,
dass man so etwas einfach nicht
tut.
Wenn ihr aber das nächste Mal im
Supermarkt seid, dann lasst doch
einfach die Sachen vom Herrn Müller
im Regal stehen und kauft die
Sachen, die daneben stehen. Die
schmecken genauso gut, sind meistens
billiger und werden vielleicht
von einem Unternehmer hergestellt, für
den der Begriff "soziale Verantwortung"
noch eine Bedeutung hat.

Ach übrigens, da fällt mir ja ein,
der Herr Müller will auch
Erbschaftsteuer sparen und hat
daher beschlossen, seinen Wohnsitz nach
Österreich zu verlegen.
Wenn Ihr der gleichen Meinung seid,
schickt diese Mail doch ein wenig
durch die Republik, damit alle
Leute sehen, wo ihre mühsam
erarbeiteten Steuergroschen bleiben.
Und eines sollte uns einigen: Nichts
mehr von Müller-Milch auf den

Tisch!!!

Prof. Dr. Rainer Praetorius
Helmut Schmidt Universität/ Universität der Bundeswehr Hamburg
Institut für Verwaltungswissenschaft
D 22039 Hamburg
F.:++49/40/65413755

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