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Fabian

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HousemusikSamstag 17.03.2007 11:48 PM

Ein dumpfes dröhnen ist zu vermerken, welches alles und alle vibrieren lässt. Die Tanzfläche ist voll, wohl kaum ein Floh würde noch einen bequemen Platz zwischen den Körpern der Besucher finden. Irgendwo oben aus der Dunkelheit spaltet sich ein grellgrüner Lichstrahl und fährt über den Köpfen zu beiden Seiten auf, einen flimmernden Fächer hinterlassend, in dem künstliche Nebelwolken bizarre und gleichzeitig schöne Muster hineinzeichnen. Dann erschüttert eine heftige Explosion das ganze Szenario, die jedoch weniger Panik als totale Begeisterung erntet. Schreie. Jubeln. Pfiffe. „My house is your house…” knattert die technoide Männerstimme aus den Membranen der leicht überdimensionalen Lautsprecherboxen, die an jeder der vier Ecken der Tanzfläche meterhoch aufgetürmt sind, „... and your house is mine!“ Noch mehr Schreie. Jubeln. Pfiffe. Eine zweite noch heftigere Explosion erschüttert, begleitet von grellem Zucken der beiden Lichtstrahlen, die den Fächer in immer wieder neuen Formen auf- und zu- und wieder aufgehen lassen. Der DJ steht in seiner mattrot beleuchteten Kanzel und schnappt sich das Funkmikrofon, hält es betont sexy in einem 10-Grad-Winkel nach oben links vor seinen Mund und fragt die Menge mit dröhnender Stimme „Are you ready for take-off?“ Explosion. Schreie. Jubeln. Pfiffe. Take-Off? Moment mal, wohin fliegen wir? Ich habe keinen Flug gebucht! Im selben Moment, als ich noch über das mögliche Reiseziel nachgrübele, höre ich den DJ wieder: „Abfluuuuug!“ Und das schon zu erwartende Schreien, das Jubeln, die Pfiffe gehen unter im rhythmischen Klopfen der Bassdrum im immerwährenden Viervierteltakt, in jedem vierten Takt auf Taktschlag Vier statt einem gleich zwei Schläge. Die Menge ist außer sich. Sie bewegt sich zuckend und apathisch, als wäre sie von irgendetwas ferngesteuert, das Showlasersystem fährt auf volle Leistung hoch und ahmt die Bewegungen der Menschen nach – oder umgekehrt? Ich bin mir nicht ganz sicher... Was hat die Stimme gesagt? My house is your house? House ist das Programm heute Abend und House führt zurück auf das “Warehouse” und das “Warehouse” ist eine alte Lagerhalle in Chicago, in der in den 70er-Jahren in einer improvisierten Discothek die ersten DJs damit begonnen haben, mit den Disco-Scheiben von Gloria Gaynor und Co. Herumzuexperimentieren. Man ließ sie schneller laufen. Man ließ zwei gleiche Platten gleichzeitig laufen. Man ließ sie versetzt laufen und verlängerte somit die einzelnen Teile des Songs. Man ließ verschiedene Platten ineinander übergehen und entwickelte dadurch völlig neue Sounds. Völlig neue Rhythmen. Ein simples Prinzip eigentlich. Und die Wirkung? Extatisch dahintobende Menschen in absoluter Begeisterung. Sollte es so einfach sein? Das mit dem House wissen wohl die wenigsten, wenigstens der DJ weiß es, denn er hat sich mit der Geschichte der Musik, mit der er so gerne spielt, experimentiert und die Leute zum Tanzen bewegt befasst und er lässt die Membranen der Lautsprecher immer wieder donnernd erzählen: „My house is your house and your house is mine...“

(F.S. "Gefühlsterror" 2007)

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