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Misstrauen und EgozentrikMontag 02.06.2014 02:00 AM

Diese ökonomischen Notwendigkeiten scheinen stark verinnerlicht zu sein. Sie haben gezeigt, dass die Jungen sehr optimistisch sind, was ihr eigenes Leben betrifft, aber sehr pessimistisch für die Zukunft der Gesellschaft.

Ja, die Disziplin und die Kontrolle sitzen den Leuten im Kopf, als Selbstdisziplin und Selbstkontrolle. Oder nehmen Sie andere, heute wichtige Begriffe: Selbstbewusstsein, Selbstverwirklichung. Immer steht das Selbst im Mittelpunkt, das an sich arbeitet und die Fortschritte überwacht. Man muss die Leute nicht mehr dazu anhalten, bestimmte, für das System nützliche Dinge zu tun. Sie tun sie von sich aus. Für sich, nicht für das System, dem sie zutiefst misstrauen.

Woher kommt diese verblüffende Idee unter den jungen Menschen, dass das eigene Wohlergehen so gut wie nicht vom Zustand der Gesellschaft abhängt?

Es ist, wie Sie gesagt haben, verinnerlichte Egozentrik. Es ist verinnerlichte neoliberale Ideologie. Sie hat dazu geführt, dass man in der Gemeinschaft und in der Gesellschaft keine Chancen mehr sieht, nur Behinderungen. Das Individuum sieht für sich überall dort gute Aussichten, wo es für sich steht.

In Abwandlung des 68er-Slogans könnte man sagen: I want the world and I want it now.
Genau, es ist ja interessant, wie sich etwa der Begriff der Selbstverwirklichung seit 1968 verändert hat. Damals ging man in eine Kommune, um sich als Teil einer Gemeinschaft auszudrücken. Heute geht man zum Psychotherapeuten und reflektiert sich selbst.

Sie beschreiben Facebook.
Facebook ist den Leuten doch völlig egal. Sie sind dabei, weil sie sich von den Kontakten etwas versprechen. Facebook ist eine Ego-Maschine.

Kann es sein, dass Sie auch desillusioniert sind?
Natürlich. Wenn man noch einen Funken Geist in sich hat, muss man das sein. Es gibt ja keine andere Möglichkeit.

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