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Ich hätte gern das da ---> Blowjobs? ---> Ja 4 davon :D

"Speak German!"Freitag 04.06.2010 08:05 PM

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Volkswaggon am Service Point

Das Auto ist des Deutschen liebstes Kind und Deutschlands berühmtester Exportartikel. An deutsche Kunden in Deutschland wird es folglich verkauft in den Modellen Trendline, Highline, Sportline und Comfortline, auch als Roadster, Offroader oder Van, in Farben wie Shadow Blue, Granite Green oder Arctic Blue Silver, auf Wunsch mit Adaptive Cruise Control, Fuel Stratified Injection oder Keyless Entry Start Exit System.
Auf der Volkswagen-Hauptversammlung 2006 trug ein Kleinaktionär dies unter zunehmendem Gelächter vor. Der Vorstandsvorsitzende erwiderte gönnerhaft, das sei zwar unterhaltsam gewesen, verkenne aber die Erfordernisse des internationalen Geschäfts.. Ein Unternehmenssprecher fügte hinzu, VW benutze <<vereinzelt>> englische Bezeichnungen, <<um besonderen Ausstattungen eine besondere Aufmerksamkeit zu widmen>>; die Kuden verständen sie sowieso.
Das ist doppelt falsch: Verständlich sind sie durchaus nicht allein, und Aufmerksamkeit soll manchmal grade abgelenkt werden, beim Airbag beispielsweise - davon, dass der Sack durchaus keine Luft enthält, sondern Stickstoff und einen pyrotechnischen Gasgenerator.
Wenn aber wirklich die Internationalität regierte: Dann würden Autos in Frankreich oder Spanien also mit denselben englischen Fachwörtern angeboten werden wie in Deutschland? Niemals kann ein unternehmen das riskieren, ob aus Deutschland oder USA: Was nicht spanisch bezeichnet wird, lässt sich in Spanien nicht verkaufen.
Womit ein Teil der automobilen Albernheiten freilich an den deutschen Kunden hängen bleibt: Sie sind, wie die meisten Deutschen, nicht stolz auf ihre Sprache, sondern stolz auf ihre Fähigkeit, mit überflüssigem und zumeist schlecht ausgesprochenem Englisch Weltläufigkeit zu demonstrieren. Braucht das Auto einen Motor, wenn wir doch engine start/spot lesen können? Was soll uns noch der Kundendienst, da der After Sales Service viel cooler und dazu noch drei Silben länger ist? Adaptiv Shift Strategy (VW)! High Precision Injektion, Dynamic Performance Control (BMW)! Und wenn Opel für einen neuen Geländewagen <<Antara>> 2006 mit dem Spruch Explore the City Limits warb, so muss er auf jene 60 Prozent der Deutschen gezielt gewesen sein, die nicht Englisch können - denn die anderen lasen: <<Erforschen Sie die Stadtgrenzen>>. Wie bitte? Sollte der Antara schon für Landstraßen untauglich sein? Open your mind! So warb Daimler 2007 für die Neuversion seines Kleinwagens <<Smart>>.
Die Deutschle Bahn hat ihren Mind schon 1971 geopened: Da erfand sie für ihre neuen Schnellzüge den Pseudo-Anglizismus Intercity - im Englischen nicht vorgesehen; offenbar um die dürftige Überraschunf aufzuputzen, dass die meisten Züge seit hunderfünftzig Jahren zwischen Citys verkehren. 1995 führte die Bahn nicht etwa die Bahnkarte, sondern den deutsch-englischen Zwitter Bahncard ein.
Richtig produktiv aber wurde sie erst in den letzten Jahren: Da sah sich die Auskunft in den Service Point verwandelt, der Internet-Anschluss im Zug wird als Surf & Rail verkauft, Radfahrer sollen sich der Kombination Bike & Bahn bedienen, und ein neues Nachtzugsystem zwischen Deutschland, Österreich und der Schweiz muss natürlich City Night Line heißen. <<Wer Fahrkarte sagt, der tickett nicht mehr richtig>>, schreibt der Richter und Schriftsteller Herbert Rosendorfer.
<<In Bahnhöfen und Flughäfen ist Deutsch mittlerweile Randsprache geworden>>, stellt die CDU/CSU-Fraktion des Bundestags im März 2007 fest. Englisch zusätzlich, natürlich - <<unverständlich und unzumutbar wird es für viele Einheimische jedoch dadurch, dass inzwischen ausschließlich in Englisch beschriftet oder beworben wird>>, bei der Bahn zum Beispiel mit DB Carsharing oder Call a Bike Standort.<<
Die Deutsche Bahn erklärte sich im Mai 2007 in einem Gespräch mit den Initiatoren bereit, <<in den kommenden Monaten Vorschläge für eine anwendbare verständliche deutsche Sprache zu erarbeiten>> (was sie nicht hinderte, im Juli 2007 in Inseraten ihre Mobility Networks Logistics anzupreisen). Sehr nett und ziemlich spät - denn eben solche Vorschläge hat Dr. Martin Luther erarbeitet, vor fast 500 Jahren und nicht ohne Erfolg.[...]

Speak German! - Wolf Schneider

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