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_nani_

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3.04.2011 ♥♥♥ .....ich liebe dich über alles mein schatz

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Sie machte ein leises „Oh“, dann schaute sie mich wissbegierig an. Bella biss sich auf die Unterlippe, um nicht allzu strahlend und triumphierend zu grinsen. Als wenn sie so etwas… schon erwartet hätte. Sie war unglaublich. „Carlisle fand mich in einem Krankenhaus“, erzählte ich weiter und plötzlich sprudelten die Worte nur so aus mir heraus. Ich wollte, dass sie mich kannte. „Im Sommer 1918- ich war siebzehn, hatte die spanische Grippe und lag im Sterben…“ Bella hielt entsetzt die Luft an, musterte mich ängstlich von Kopf bis Fuß, als wollte sie sich vergewissern, dass ich noch da war. Ich wollte das V zwischen ihren Brauen mit meinen Fingerspitzen glätten, doch Bella drehte ihren Kopf zum Fenster und beobachtete konzentriert die vorbeirauschenden Bäume, damit ich ihr bestürztes Gesicht nicht sah.

„Ich erinnere mich kaum“, beruhigte ich sie, und erst dann erwiderte sie zaghaft meinen Blick. „Es ist schon so lange her… und menschliche Erinnerungen verblassen…“ Wie schnell Bella mich wohl eines Tages vergessen haben würde, wenn sie mit einem der menschlichen Jungs ein normales Leben führte? Ich hielt es nicht lange aus, über diese Frage nachzudenken; wie tausend kleine Nadeln stach es in meine Brust.

„Ich erinnere mich allerdings, wie es war, als Carlisle mich rettete. Das ist nichts, was man so schnell wieder vergisst…“ Ich stoppte. Nein, diesen Schmerz, das Gefühl von Flammen, die den Körper langsam aushöhlten und zerfraßen, würde ich niemals vergessen. Wenn ich als Neugeborener kurz davor gewesen war, einen unschuldigen Menschen zu beißen, hatte ich mich an diesen Schmerz erinnert und mich darauf konzentriert, dass ein unschuldiger Mensch diesen Schmerz nicht verdient hatte. Mörder und Triebtäter und andere Sünder jedoch hatten ihre gerechte Strafe erhalten…

„Und deine Eltern?“, fragte Bella vorsichtig. „Die waren schon an der Grippe gestorben“, sagte ich knapp. „Ich war allein, deshalb wählte er mich aus; er wusste, dass mich im Chaos der Epidemie niemand vermissen würde…“ Ich runzelte – zeitgleich mit Bella- die Stirn. Carlisle hielt sich in mit seinen Gedanken in meiner Nähe sehr zurück- ich verstand nicht, warum er ausgerechnet mich ausgewählt hatte; andere junge Männer wären ebenso wenig vermisst worden wie ich. Anfangs hatte Carlisle Zweifel gehabt, ob es richtig gewesen war, mich zu verwandeln, ob ich vielleicht zu jung gewesen war; doch dann hatte er sich immer an meine Mutter erinnert und war wieder zuversichtlich gewesen. Das einzige, an das ich mich bei meiner… Mom erinnern konnte, waren ihre roten Haare. Ich vermisste sie sehr. Jasper war der einzige, der wusste, wie sehr. Natürlich, ich war glücklich- einigermaßen glücklich- in meiner Familie, in der ich seit mehr als einem Jahrhundert lebte. Ich liebte meine Eltern, ich liebte meine Geschwister- ohne sie würde ich kaum überleben können. Aber ich vermisste meine... Mom.

„Wie hat er dich denn… gerettet?“, riss Bella mich sanft aus meinen Gedanken. Ich zuckte dennoch zusammen; diesen Teil meines Geständnisses hätte ich ihr gerne erspart. „Es war schwierig“, sagte ich irgendwann. „Nur wenige von uns haben die Selbstbeherrschung, die dafür notwendig ist… Aber Carlisle war immer der Menschlichste, der Großherzigste von uns allen. Ich glaube nicht, dass es jemanden wie ihn noch einmal gibt… oder gab.“ Alice hatte gesagt, ich müsste eine unglaubliche Selbstbeherrschung erlangen. Ich müsste stärker sein als Carlisle. Aber das war unmöglich. Niemand konnte eine größere Selbstbeherrschung aufbringen als mein Schöpfer. Niemand. Bella starrte mich noch immer wissbegierig an und wartete stumm auf eine ausführlichere Antwort auf ihre Frage. „Für mich war es einfach sehr, sehr schmerzhaft…“

Bella schaute verständnislos die Risse in der Windschutzscheibe an. Ich wusste, dass ihre Neugier noch nicht gestillt war, doch mehr Einzelheiten würde ich nicht aussprechen. Das würde ich ihr nicht antun. Ich könnte ihr höchstens das Warum erklären. „Er tat es aus Einsamkeit“, murmelte ich und Bellas Kopf schoss in meine Richtung. Sie sah… hochkonzentriert aus, grübelnd. Ich verstand es nicht. „Das ist meistens der Antrieb“, sagte ich weiter. „Ich war der Erste in Carlisles Familie, doch kurze Zeit später fand er Esme. Sie war von einer Klippe… gefallen… und direkt ins Leichenschauhaus gebracht worden, doch ihr Herz schlug noch-“ „Heißt das, man muss im Sterben liegen, um verwandelt werden zu können?“, unterbrach Bella mich und schaute mich interessiert an. Kein Schrei, kein Herzrasen, kein Ohnmachtsanfall…

Das faszinierende, geheimnisvolle Glitzern in ihren großen Augen ließ für kurze Zeit meinen Atem stocken. Ich schüttelte meinen Kopf hin und her, um wieder denken zu können; Bella musterte mich besorgt, sagte aber nichts. „Nein, das macht nur Carlisle so. Er würde das nie jemandem antun, der eine andere Wahl hätte.“ Also war meine Selbstbeherrschung definitiv nicht größer als die meines Vaters. Ich hatte einmal für wenige Sekunden den wahnsinnigen Wunsch gehabt, Carlisle würde auch Bella verwandeln; damit ich sie für immer bei mir behalten konnte.

Damit sie mein war.

„Es ist aber auch einfacher, sagt er, wenn das Blut schwach ist.“ Als ich das verhängnisvolle Wort aussprach, flammte meine ausgetrocknete Kehle auf. Hastig sog ich die brennende Luft ein- ignorierte das Kratzen und Zischen in meinem Rachen und als Bellas Daumen zaghaft meinen Handrücken streichelte, ging es mir schlagartig besser. „Und Emmett und Rosalie…?“, fragte sie ungeduldig wie ein kleines Kind. Sie war unersättlich. „Rosalie kam als nächstes in die Familie… mir wurde erst viel später klar, dass Carlisle gehofft hatte, sie könnte für mich zu dem werden, was Esme für ihn war…“ Bellas senkte den Kopf. „Er hielt sich mit seinen Gedanken sehr zurück, wenn ich in der Nähe war…“ Sie biss sich auf die Lippe uns spielte unruhig mit ihren Locken. Ich musste nicht ihre Gedanken hören können, um zu wissen, was sie dachte.

„Aber sie war nie mehr als eine Schwester für mich!“ Es klang beinahe wie eine Entschuldigung; als würde ich mich verteidigen. Bella biss fester auf ihre Unterlippe, hinterließ schon einen dunkelroten Abdruck ihrer Zähne darauf und aus einem Grund, den ich nicht sehen konnte, rollte ein kleiner Kristall an ihrer Wange hinab. Ich drückte ihre Hand. „Und nur zwei Jahre später, wir lebten damals in den Appalachen, fand sie Emmett. Sie war auf der Jagd und stieß auf einen Bären, der gerade dabei war, ihn zu töten. Aber weil sie nicht wusste, ob sie selber fähig sein würde, es zu tun, trug sie ihn zu Carlisle, mehr als hundert Meilen weit.“ Ich hielt inne. „Ich bekomme erst jetzt eine vage Vorstellung davon, wie schwierig es für sie gewesen sein muss…“

Bella erwiderte meinen Blick und ihr Wissensdurst trocknete langsam die nassen Spuren, die ihre Wange hinunterliefen. Ehrfürchtig, ohne ihren schmachtenden Blick loszulassen, wischte ich mit unseren Händen die letzten Tränen aus ihrem Gesicht; unser Herz pochte laut und heftig gegen Bellas Brustkorb. „Aber sie schaffte es…“, flüsterte sie bedeutungsvoll. Dann schaute sie wieder- verlegen- die Kratzer in der Glasscheibe an und schnitt mir die Sicht in ihre herrliche Seele ab. „Ja- sie sah etwas in seinem Gesicht, das ihr die Kraft dazu gab“, sagte ich leise und wusste, dass sie meinen ebenso bedeutungsvollen Blick in ihrem Rücken spürte.

„Und seitdem sind sie zusammen. Manchmal leben sie zu zweit als Ehepaar- aber je jünger wir vorgeben zu sein, desto länger können wir an einem Ort bleiben. Forks schien perfekt zu sein…“ Ich kicherte, als ich sah, wie Bella ungläubig ihr Gesicht verzog. „Also meldeten wir uns an der Highschool an. Ich nehm an, in ein paar Jahren müssen wir wieder einmal zu ihrer Hochzeit gehen.“ Bella lächelte. Endlich.

„Alice und Jasper“, fragte sie jetzt und ihre Augen wurden von Neugier und Glitzer überflutet. „Alice und Jasper sind zwei ganz besondere Wesen… Sie entwickelten ihr Gewissen, wie wir es nennen, unabhängig von jemand anderem. Jasper kam aus einer anderen-“ Ich hätte beinahe Zirkel gesagt, doch das erschien mir plötzlich zu… kalt. „Familie. Er wurde depressiv und sonderte sich ab- Alice fand ihn. Wie ich hat sie bestimmte…“ …lästige und nützliche… „…Fähigkeiten, die über das hinausgehen, was für uns normal ist-“ „Wirklich?“, rief Bella mit leuchtenden Augen dazwischen. „Aber du hast doch gesagt, du bist der Einzige, der Gedanken hören kann?“ Ihr strahlendes Gesicht raubte mir den Atem. Ich war so berauscht, dass die Straße vor meinen Augen verschwamm und Bellas Angst vor meiner Fahrweise erschien mit plötzlich berechtigt.

„Das stimmt ja auch“, korrigierte ich heiser. „Sie kann andere Sachen- sie sieht Dinge. Dinge, die passieren könnten, die bevorstehen. Aber es ist sehr subjektiv. Die Zukunft ist nicht in Stein gemeißelt- Dinge ändern sich!“ Ich schrie es fast. Dinge ändern sich; ich hatte die Zukunft geändert, ich hatte Bella nicht getötet und würde es auch nie tun. Und ich würde ihr auch nicht ihre Seele rauben. Dinge ändern sich. Ich schaute in Bellas Augen von flüssiger Schokolade und sah ihre liebliche, reine, selbstlose Seele; die wertvollste Seele, die Gott- sollte er denn existierenden- jemals geschaffen hatte. Die Seele eines Engels.

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