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Vom Fischer, der verzichten konnteSamstag 02.01.2010 01:00 AM

Es war einmal ein junger Fischer, der nahm sich eine Frau aus dem Feenreich. Sie war so schön, daß die Leute sagten: "Sie ist nicht von dieser Welt."
Und andere Leute sagten: "Sie paßt gar nicht in die armselige Fischerhütte."
Der junge Fischer, der die Reden der Leute mit anhörte, hatte darum seine Frau noch viel lieber, und abends saßen sie stundenlang beisammen und erzählten sich Geschichten und Märchen, die alle im Land der Feen spielten. Von diesen Geschichten aber wurde die Frau sehr traurig, denn obwohl sie ihren Mann sehr lieb hatte, sehnte sie sich doch zurück ins Feenreich, und oftmals sagte sie: "Mann, schließ die Tür ab! Ich höre die Glocken im Feenland. Sie rufen mich, dorthin zurückzukehren, von wo ich hergekommen bin."
Dann ging der junge Fischer hin und schloß die Tür ab, damit seine Frau nicht in Versuchung kam, heimlich davonzulaufen. Er ahnte, daß trotz ihrer großen Liebe zu ihm ihre Sehnsucht nach dem Feenreich noch viel größer war, und er sie eines Tages verlieren würde. Und so geschah es.
Als er eines Abends zum Fischfang auszog, ließ er in Gedanken die Tür einen Spaltbreit offen, und als er am Morgen heimkehrte, fand er die Hütte leer. Da war der Fischer sehr traurig. Aber dann tröstete er sich: Jetzt brauchte er keine Angst mehr zu haben. Er wußte, daß seine Frau im Feenreich glücklich war. Er brauchte sich keine Sorgen um sie zu machen. Wenn er auch alles verloren hatte, was ihm lieb war, so blieb ihm doch die Erinnerung an die schönen vergangenen Zeiten. Und die Erinnerung ist ja oft viel schöner, als es die Wirklichkeit sein kann.

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