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[Kein Thema]Mittwoch 07.01.2009 02:14 AM

->Sie saß am PC wie fast jeden Abend.
Immer wenn sie nach Hause kam,
setzte sie sich an den Computer,
wählte sich ins Internet ein und blieb so lange drin,
bis sie ihre Mutter ins Bett scheuchte.

Aber an diesem Tag war es anders.
Sie hatte sich verliebt.
Es verging kaum eine M i n u t e,
wo sie nicht an ihn dachte.
Sie hatte nur seinen Nickname im K o p f und seine Beschreibung.
Andauernd dachte sie darüber nach,
wie er wohl aussehen würde.
Sie hatten nie so richtig über sich selbst geredet,
nie über p e r s ö n l i c h e Details wie genauer Wohnort oder so.
Sie wusste nur,
dass er in Deutschland wohnte wie sie selbst,
aber etwa 400 km weit entfernt;
zu weit zum besuchen.
Sie konnte ihm v e r t r a u e n,
konnte sich loslassen,
konnte sich fallen lassen,
wenn sie mit i h m chattete,
was sie sonst nicht konnte.
In real war sie sehr schüchtern,
traute sich kaum etwas zu.
Doch im Chat,
wenn sie mit i h m sprach,
dann konnte sie sich richtig fallen lassen und ihren G e f ü h l e n freien lauf lassen.
Doch dass sie sich in i h n verlieben würde,
daran dachte sie nie. Sie hielt es nicht für möglich,
sich in einem Chat zu v e r l i e b e n,
doch nun war es passiert;
sie konnte nichts mehr dagegen machen.
Es vergingen einige Tage.
Sie dachte pausenlos an i h n;
war schon öfters so nah dran,
es ihm zu gestehen,
aber sie schaffte es nie.
Doch dann kam der T a g,
an dem sie beschloss,
es i h m zu sagen.
Als sie sich nach der Schule an den PC hockte und in den Chat ging, war er nicht da.
Sie w a r t e t e lange,
doch er kam nicht.
Sonst war er immer da.
Jeden T a g um dieselbe Z e i t.
Doch heute nicht.
Sie hatte keine Ahnung was dazwischengekommen war und befürchtete schon das schlimmste.
Und da kam ihr die Idee, ihre E-Mails nachzulesen.
Sie hatte P o s t, es war eine Mail von i h m.
Als sie den Betreff las, stieg in ihr ein eigenartiges Gefühl auf.
Ein mulmiges Gefühl in ihrem Bauch...
Ein G e f ü h l,
das ihr die Luft wegbleiben ließ.
Im Betreff stand:

Es tut mir leid, ich mag dich nicht...

& Sie machte die Mail auf...

Na du!
Es tut mir leid,
ich hätte es dir schon viel eher sagen sollen,
hätte es niemals so weit kommen lassen dürfen.
Ich bin nicht der,
den du denkst.
Ich bin nur ein gewöhnlicher Mensch,
kann mit dir ehrlich gesagt nichts anfangen.
Ich habe dich die ganze Zeit nur belogen.
In Wirklichkeit wollte ich nur jemanden verarschen.
In Wirklichkeit kann ich dich nicht leiden.
Du mit deinem ewigen Gejammer,
du,
mit deiner völlig abartigen Sicht zum Leben und allem.
Ich habe mitgespielt,
weil es das war,
was du wolltest.
Aber ich kann dich nun mal nicht leiden,
deswegen werde ich dich jetzt auch in ruhe lassen.
Das ist das letzte was du von mir hörst.

+~+~+~+~+~+~+~+~+~+~+~+~+~+~+~+

Sie konnte es nicht glauben.
Jedes Wort fühlte sich so an,
als würde ein Messer in ihr H e r z stechen.
Es tat so fürchterlich weh, als sie das las.
Die T r ä n e n konnte sie nicht mehr zurückhalten.
Sie rollten über ihre Wangen,
bis zum Kinn.
Es fühlte sich an,
wie Dornen,
die sich in sie hineinfraßen.
Sie war a l l e i n e daheim;
zum G l ü c k.
So hätte sie es sich nie getraut,
aus dem Zimmer zu gehen.
Und das Weinen konnte sie auch nicht mehr unterdrücken.
Es kam aus ihr heraus, als hätte sie seit Jahren nicht mehr g e w e i n t.
Sie hatte das Gefühl,
als würden diese W o r t e alles in ihr zerstören,
v e r b r e n n e n...
Sie wollte nicht mehr.
Er war die einzige Person, der sie vertraut hatte.
Der sie alles über sich erzählt hatte.
Doch es war alles nur Show...Er war nicht real,
diese Person die sie liebte, hasste sie.
Sie wollte nicht mehr leben.
Alles, woran sie g e g l a u b t hatte, war eine L ü g e.
Und das schlimmste war immer noch,
dass er es ihr so sagen musste.
Er hätte es auch anders tun können...
Aber wieso so? Und wieso gerade sie,
und nicht eine andere naive Chatterin?
Sie sah nicht mehr richtig, ihre A u g e n waren voller T r ä n e n.
Und in ihr brannte es förmlich.
Sie konnte sich noch daran erinnern,
dass ihre Mutter einmal Schlaftabletten gekauft hatte...
Im Bad mussten sie sein,
wie vor einigen T a g e n auch noch,
als sie sie per Z u f a l l gefunden hatte.
Sie setzte sich wieder an den PC,
vor ihr der Posteingang -
Keine neuen Nachrichten...
Der Deckel des R ö h r c h e n s spickte weg, als sie es aufmachte.
Darin hatte es einige weiße Tabletten.
So klein und doch so g e f ä h r l i c h.
Sie nahm sich eine raus und schluckte sie.
Es war e k e l h a f t;
es schmeckte fürchterlich bitter,
aber die Tablette verschwand sofort in ihrem Magen.
Der Rest kann ja nicht schlimm sein,
gleich ist es eh vorbei dachte sie sich,
und schluckte den Rest der Tabletten auch.
Wie lange sie da saß und auf Post von ihm wartete konnte man nicht sagen.
Es mussten S t u n d e n gewesen sein.
Ihr Kopf wurde immer schwerer, die Augenlider waren so schwer wie Blei.
In ihrem Magen brannte es,
doch sie spürte es nicht mehr. Alles war wie durch Watte gedämpft.
Der K o p f sank auf die T a s t a t u r, ihre A u g e n schlossen sich...
Das Herz wurde immer langsamer, alles schlief ein.
F ü r i m m e r.

Man fand sie am nächsten Morgen.
Tot vor dem PC, in der Hand das leere Röhrchen.

Und auf dem Bildschrim, eine Nachricht.
Irgendwer musste sie g e ö f f n e t haben.
Darin stand:

+~+~+~+~+~+~+~+~+~+~+~+~+~+~+~+~

Hallo!
Gott, was hat denn mein B r u d e r für ein M i s t geschrieben?
Tut mir leid, ich habe das nicht geschrieben...
G l a u b mir b i t t e...
Ich könnte dir n i e m a l s wehtun...
Denn ich liebe dich!

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