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WIZO

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nicenicenice!

Er und Ich IVSonntag 09.11.2008 09:17 PM

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Ich wusste nicht mehr was ich denken sollte. Ich wusste es wirklich nicht.
Es war am Abend meiner Konfirmation. Ich war glücklich. Ich hatte einen wunderschönen Tag gehabt. Ich freute mich, abends mit ihm schreiben zu können. Ich wollte ihm alles erzählen, was ich erlebt hatte. Ich hatte so viel Sehnsucht nach ihm.
Wir schrieben im Chat. Wie immer. Wie jeden Abend. Routine. Wir wollten uns sehen, am nächsten Tag. Unbedingt. Wir hatten uns vorgenommen, ins Kino zu gehen. Er fragte, ob sein bester Freund mitkommen könne. Ich wusste nicht genau. Ich wollte so gerne mit ihm ganz alleine sein. Endlich mal wieder alleine. Ich sagte es ihm. Ich fragte, warum er nicht mit mir alleine sein wollte. Er sagte, ich würde ihm nicht mehr vertrauen. Es war ein Schlag ins Herz. Plötzlich ging es mir so schrecklich. Wie konnte er so etwas sagen. Ich vertraute ihm so sehr. Wirklich. Ich vertraute ihm so unheimlich.
Er hatte nur das gesagt. Nur das, als ich anfing zu weinen. Meine Freundin war noch da. Ich hatte sie eingeladen zu meiner Konfirmation. Sie nahm mich in den Arm. Es half nichts. Ich war ihr dankbar. Und trotzdem änderte es nichts.
Ich fragte ihn, was los sei. Mein Herz schlug so schrecklich hoch. Ich hatte solche Angst.
Er schrieb, er fände, die Luft sei raus.
Das war wohl der Augenblick. Der Augenblick, in dem ich wusste, dass es vorbei war. Ich kannte ihn. Er sagte so etwas nicht, ohne Hintergedanken. Ich weinte. Ich weinte so viel. Ich weinte den ganzen Abend. Wir schrieben noch länger. Ich weiß nicht mehr genau, was wir schrieben. Ich war so fertig. Ich kann mich an nichts mehr erinnern. Nur daran, wie ich in meinem Zimmer saß, und weinte. Ich weinte, weil es mich so unheimlich verletzte. Zwischen uns war plötzlich so viel kaputt. Er sagte es so, als wäre alles aus. Für immer. Meine Freundin umarmte mich. Sie war für mich da. Sie weinte mit mir.
Bald brachte ich sie nach Hause. Sie versuchte, mich zu trösten. Sie schaffte es nicht. Ich war so schrecklich traurig.
Meine Mama nahm mich in den Arm. Sie wusste, was passiert war. Sie wusste es. Ich hatte ihr nichts gesagt, doch sie wusste, dass es um ihn ging. Wir setzten uns zusammen, redeten.
Sie brachte mich zum lächeln. Irgendwann. Sie war der einzige Mensch, der mich zum lächeln brachte.
Aber doch nur kurz. Schrecklich kurz war ich abgelenkt. Abends ging ich bald ins Bett. Ich weinte die ganze Nacht. Ich weiß nicht, wie spät es war, als ich irgendwann einschlief. Mit seinem Lied im Ohr, seinem Geruch in der Nase, seine vergangene Liebe im Herzen, seine letzte SMS in Gedanken. ‚Vergiss mich. Vergiss die schöne Zeit. Denn so vergisst du die Qualen der Liebe.’
Obwohl die Sache lange vorbei ist, werde ich traurig, wenn ich zurück denke. Ich weine. Ab und zu.
In den nächsten Tagen weinte ich auch viel. Jeden Tag. Jeden Abend. Jede Nacht.
Und ich redete mit Mama. Wir redeten so viel.
Ich liebte ihn. Ich liebte ihn immer noch so unglaublich doll.
Es waren einige Tage später, als wir uns trafen. Um zu reden. Nur, um zu reden. Er wollte es nicht. Doch ich wollte es. Ich fand, ich hatte ein Recht darauf.
Es war die Stelle, an der er mir das erste Mal gesagt hatte, dass er mich liebt. An der Weser. Es war warm. Sein Geruch zog mir in die Nase. Und ich fing fast an zu weinen. Ich sah ihn, und ich wollte weinen. Ich wollte schreien. Es ging mir so schrecklich. Ich wollte ihn nicht sehen. Ich wollte ihn nicht mehr lieben.
Doch genau das sagte ich ihm. Ich sagte ihm, dass ich ihn liebe. Er sagte, er wüsste nicht, was er fühlte. Wir redeten langsam und leise. Nicht viel.
Wir saßen nur kurz dort. Kurz. Vielleicht eine halbe Stunde. Dann mussten wir beide irgendwann lachen. Einfach so. Wir sagten, es wäre blöd, sich so zu trennen. Und er meinte, wir wollen Freunde bleiben und sehen was daraus wird. Er entschuldigte sich. Und ich konnte wieder lächeln. Ich lächelte, sah ihn und war glücklich.
Wir gingen in die Stadt. Es war lustig mit ihm. Wir lachten viel. Und trotzdem liebte ich ihn. Ich liebte ihn die ganze Zeit.
Ich kam abends nach Hause und redete mit meiner Mama. Sie verstand mich. Sie verstand alles.
Ich ließ alles erst einmal sacken. Ich wollte nichts überstürzen. Mir keine Hoffnungen machen. Ich wollte nicht gleich wieder enttäuscht werden.
Ich wollte nicht wieder so viel weinen. Ich wollte lachen. Ich wollte glücklich werden.
Doch bald schrieb er mir. Er schrieb mir, dass er mich vermisste. Dass er mich sehen wolle. Er schrieb, dass er Sehnsucht hatte. Ich war glücklich und ängstlich zugleich. Glücklich, dass er mich sehen wollte. Ängstlich, wieder verletzt zu werden.
Wir trafen uns wieder. Er kam zu mir. Wir machten nichts Besonderes. Wir sahen einen Film, nichts weiter. Aber es war lustig. Manchmal kam es mir vor, als wolle er zu mir. Als wolle er näher kommen. Doch ich denke, ich habe es mir eingebildet. Es war die Liebe. Ich liebte ihn, vergaß alles andere. Ich dachte, es könne alles wieder gut werden. Ich dachte es.
Aber Alles wurde so schrecklich. Wir schrieben viel nach diesem Tag. Wirklich.
Doch es war so anders. Er sagte, für ihn wäre es vorbei. Er hätte es versucht, doch es würde nichts bringen. Er sagte, es ginge nur Freundschaft. Er sagte, er liebe mich nicht mehr.
Ich kam nicht damit klar. Ich war so verzweifelt! Schrecklich verzweifelt.
Ich glaube, wir machten uns Vorwürfe. Jeder dem anderen. Unnötige Vorwürfe. Doch ich verstand ihn einfach nicht. Ich verstand nichts mehr. Es machte alles so schlimm. Alles ging kaputt.
Unser Kontakt brach nach und nach ab. Wir schrieben nicht mehr. Fast nie.
Und ich weinte so viel. Ich weinte fast jeden Abend, im Bett. Ich betete. Ich betete, dass alles werden würde, wie es einmal war. Aber es wurde nicht so.
Meine erste Liebe. Durch ihn hatte ich gelernt, was es heißt zu lieben. Ich hatte gelernt, was es heißt, Liebe geschenkt zu bekommen. All das. Ich war so glücklich gewesen mit ihm. Er hatte mir so viel bedeutet. Ich hatte jede Sekunde, die ich mit ihm verbringen konnte, unendlich genossen. Ihn zu sehen. Ihn zu lieben. Ihn zu küssen. Ihn zu spüren. Er hatte mir so viel geschenkt. So viel Liebe, Geborgenheit, das Gefühl, etwas Wunderschönes zu sein. Er hatte mir so viel geschenkt.
Es war das Schönste, was mir je passiert war. Er war das Schönste.
Und auf ein Mal war alles vorbei. Kaputt.
Ich fragte mich so oft, warum es so schrecklich zu Ende gehen musste. Ich frage mich heute noch. Ab und zu.
Ich weinte so viel. In dieser Zeit machte mich so viel traurig. Noch Monate später weinte ich viel. Doch es brachte nichts. Ich war kaputt, oft müde, verletzt… Doch ich lachte. Ab und zu. Ich ließ mich nie ganz runter ziehen. Freunde waren für mich da. Und meine Mama. Sie halfen mir, so gut es ging. Sie versuchten es.
Ab und zu, ganz selten, schrieben wir im Chat. Er und ich. Doch es war nicht viel. Nur einzelne Sätze.
Ich glaube, für ihn war es nicht so schwer, wie für mich. Ich glaube, er wusste nicht, wie es mir ging. Ich redete ja nicht mir ihm darüber. Er hatte sich verändert. Es war nicht der Mensch, mit dem ich reden konnte. Nicht der, mit dem ich reden wollte. Jedenfalls kam es mir so vor. Vielleicht hatte ich mich auch verändert. Auf jeden Fall war nichts mehr, wie es einmal war.
Und trotzdem liebte ich ihn.
Ich hatte nichts, was mich noch an die Liebe erinnerte.
Nur ein Stöckchen, ein Foto, einen Geruch und einen Schmerz.
Schmerz.


Nach über vier Monaten meldete er sich wieder. Nach vier Monaten, die eine schreckliche Zeit für mich gewesen waren. Eine Zeit, in der ich so viel weinte.
Er meldete sich wieder, und alles kam anders, als ich es mir vorgestellt hatte.

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