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WIZO

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nicenicenice!

Er und Ich IMittwoch 20.08.2008 01:19 AM

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Ich hatte es mir wirklich schon vorgestellt, bevor es passierte.
Wirklich. Und dann passierte es. Ich war so glücklich. So sehr glücklich. Und er war es auch, das spürte ich. Wir trafen uns zu dritt. Er, sein Freund und ich. Seinen Freund kannte ich schon eine ganze Weile länger, auch zu ihm habe ich eine Geschichte zu erzählen, aber die spielt jetzt keine Rolle. Wir trafen uns also. Zwei auf einmal? Nein!
Doch bald ich wusste leider wirklich nicht mehr, was ich fühlte. Ich verdrängte dieses Gefühl und es wurde ein schöner Nachmittag. Ich fühlte mich zu ihm hingezogen, nicht zu seinem Freund. Und als ich abends nach Hause kam, dachte ich, meine Gefühle währen eindeutig. Ich war so glücklich.
Am nächsten Morgen, die Schule. Wie immer. Aufstehen vor 7 Uhr, duschen, anziehen, frühstücken. Doch heute war der Himmel blau und der Bus leer. Die Schule war bunt, die Lehrer lachten. Es wurde warm und wärmer, während die Sonne schien. Eine SMS kam nach der anderen, eine SMS schickte ich, nach der anderen. Ich empfand etwas wie Sehnsucht nach ihm und diese Sehnsucht wurde stärker und stärker. Er sagte mir oft, dass er mich liebte und ich sagte ihm, dass ich ihn auch lieben würde. Und das war die Wahrheit. Ich hatte es mir genau so vorgestellt, ganz genau so.
Wir trafen uns wieder, am 3. Tag. Es war so wunderschön.
Wir saßen einfach nur da. Nur wir zwei, ganz alleine an einem dieser schönen Frühlingstage, die viel zu früh kommen. Anfang Februar.
Zuerst waren wir beide etwas schweigsam. Es war schließlich das erste Mal, dass wir alleine aufeinander hockten. Doch das legte sich.
Bald ging die Sonne schon unter, halb 5. Es war schließlich erst Februar.
Als ich ging, begleitete er mich. Es war wirkliche Liebe, da bin ich mir sicher. Er hielt meine Hand und obwohl es kalt war, spürte ich seine Wärme. Noch ehe mein Bus kam, musste er gehen. Er hatte sich verliebt, dass wusste ich, er hatte es mir selber gesagt.
In meiner Hosentasche drückte ein kleines Stöckchen. Es war ein Geschenk von ihm. Ein einfaches Holzstückchen, doch es kam von Herzen, so hatte er gesagt. Ich war glücklich, so glücklich.
Doch als ich zu Hause ankam, mich in mein Bett legte, und nachdachte, fühlte ich etwas aufkommen, das ich bis jetzt noch nicht kannte. Ein sonderbares Gefühl. Irgendetwas war anders als vorher. Nicht unbedingt schlechter, aber auch nicht besser. Anders eben. Mit diesem Anders Gefühl musste ich klar kommen, auch wenn ich es nicht deuten konnte.
In den nächsten Tagen dachte ich viel an ihn, mehr als vorher vielleicht. Und ich sah mir immer wieder die SMS an.
%u201AIch brauche dich, ich brauche deine Wärme, ich brauche deine Liebe, denn du bist das Wichtigste in meinem Leben. Ich kann nicht ohne Dich.%u2019 Und ich wusste, dass jedes Wort die einzige Wahrheit war. Jedes Wort!
Es waren wohl die schönsten Nachrichten, die ich in meinem Leben bekommen habe. Er gab mir tatsächlich das Gefühl, ich wäre etwas Einmaliges in der Welt, nur für ihn. Er sagte, ich würde ihm gut tun und ich solle seins werden. Er gab mir sein Herz und ich schenkte ihm meines. Doch das Bauchkribbeln, das wohlbekannte, es blieb aus. Die Gewissheit, ihn zu lieben, war nicht mehr da.
Zwei Tage darauf traf ich mich mit seinem Freund und einer Freundin. Wir waren bei mir. Er wollte auch kommen, aber es kam etwas dazwischen. Ich weiß nicht, ob es sich deswegen veränderte, durch dieses Treffen mit seinem Freund. Aber ich merkte, dass sich etwas von meinem Herz, das ja noch seines war, löste. Liebe würde ich es nicht nennen. Es war viel unbedeutender.
Nach 4 Tagen traf ich mich wieder mit ihm, dem, der mir das Stöckchen und vor allem sein Herz geschenkt hatte, aber ohne seinen Freund. Wir mussten reden, ja. Alles war auf einmal anders.
Irgendetwas, das merkte ich, stand zwischen uns, was, das konnte ich nicht sagen. Aber es war nicht sein Freund, der uns im Weg stand. Nein. Es war da Gefühl, das sich während der letzten Tage in mir eingenistet hatte.
Wir gingen ein wenig spazieren, bis wir zu der Stelle kamen, an der wir uns vor einigen Tagen getroffen hatten. Die Sonne schien, doch es war kalt. Um null Grad.
Wir lachten viel, am Anfang. Über eine Ente. Über einen Elefanten.
Über einen Elefanten, der die Ente fraß und umgekehrt.
Wir lachten wirklich eine Menge. Doch dann wurde es auf einmal ernst. Ganz plötzlich, einfach so.
Ich sagte ihm, dass es schwer wäre, darüber zu sprechen, doch er meinte, ich solle einfach anfangen.
Ich fing an. Ich glaube nicht, dass ich mit der Tür ins Haus fiel, aber er war ganz plötzlich sehr anders. Er war traurig. Und das machte mich traurig.
Ich sagte, ich wäre mir nicht mehr sicher, über meine Gefühle zu ihm. Ich sagte, es ginge mir zu schnell. Ein Damm baute sich auf zwischen uns. Er baute sich hoch auf, sehr hoch.
Wir redeten und es war grauenhaft. Wir saßen da, nebeneinander, schauten zu Boden und redeten. Es war nicht schön zu sehen, wie ihm das Herz brach. Doch es brach. Ich hatte es ihm gebrochen.
Lange fühlte ich mich nicht mehr so miserabel wie an diesem Tag. Wir saßen noch lange dort, in der untergehenden Sonne, dachten nach und redeten eine Menge.
Bald fragte er, ob ich seinen Stock noch hätte. Ich sagte Ja. Es stimmte.
Es war noch nicht spät, aber wir hatten beide noch etwas vor. Leider. Und so trennten wir uns schon früh am Nachmittag. Eine Weile standen wir noch da, einander mit den Armen umschlungen. Er meinte, er liebe mich und ich solle immer daran denken. Ich glaube, ich habe geweint.
Ich ging zum Konfer, er zurück in die Schule, Tag der offenen Tür. Eine Zeit verdrängte ich das schreckliche Gefühl, ein schlechter Mensch zu sein, doch bald holte mich mein Zorn auf mich selbst wieder ein.
Abends ging es mir umso schlechter.
Er hatte mir viele Nachrichten im Chat hinterlassen. Sie berührten mich zutiefst und ich begann wieder zu weinen. Er sagte mir, nun wäre alles wieder so schlimm, wie es einmal gewesen war. Genau so, oder schlimmer.
Ich wäre ein Geschenk in seinem Leben gewesen, sagte er, ein Licht, dass nun erlosch. Ich wusste, dass er es nicht so einfach gehabt hatte. Das wusste ich, ja. Doch ich konnte meine Gefühle nicht erzwingen, das ging nicht, so gern ich es auch getan hätte.
Es ging ihm schrecklich, das hatte er mir gesagt. Mir ging es auch schrecklich.
Ich kann nicht beschreiben, wie ich fühlte. Oder wie er fühlte. Nur fühlte es sich furchtbar an. Wir wussten beide nicht, wie es weitergehen sollte. Nein, das wussten wir nicht.

Eine Woche später trafen wir uns wieder. Und alles kam anders, als ich es mir vorgestellt hatte.

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