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Schalke mit mehr Herz zum DerbysiegSonntag 28.02.2010 07:19 PM

Geschrieben für: blogundweiss.de


45 Minuten lang war es ein Derby, das eigentlich alles hatte. Strittige Szenen, einen Elfmeter, eine schwere Verletzung, ein Traumtor, einen Derbyhelden und Gerald Asamoah. So gut die zweite Halbzeit war, so zerfahren war die erste Halbzeit.

Beiden Teams merkte man an, dass hier nicht nur drei Punkte auf dem Spiel standen. Man wollte zunächst gut stehen und keine Chancen zulassen. So wurde es hektisch und Torchancen entstanden meist nur durch individuelle Fehler. Dort tat sich gerade Rafinha hervor, der in der ersten Halbzeit etwas neben sich stand und Kevin Großkreuz die Chance bot, sein erstes Derbytor zu erzielen. Doch so groß die Medienkompetenz des Dortmunders ist, so stark war sein Spiel am Freitag Abend. Gesehen hat man ihn eigentlich nur bei mehr als harmlosen Schüsschen und sich auf dem Boden windend. Sehr viel mehr hatte ich auch nicht erwartet.

Doch weiter mit wichtigeren Dingen. Die zweite Hälfte begann mit einem Paukenschlag. Ausgerechnet Ivan Rakitic, der in der ersten Halbzeit als einziger Spieler nicht von der Nervosität seiner Mit- und Gegenspieler anstecken ließ und im Mittelfeld für Ordnung sorgte, unterlief ein Blackout und trat Valdez auf den Fuß. Im Stadion war das freilich nicht zu sehen. Eine bestätigende SMS vom Fußballgott und die später gesichteten TV-Bilder ließen allerdings keinen Zweifel. 0:1 durch Sahin. Nicht verdient aber auch überhaupt nicht unverdient. Endlich, endlich schaltete dann nicht nur die Schalker Elf einen Gang hoch. Auch das Publikum, bis dahin nur partiell derbytauglich, wachte endlich auf und trieb die Königsblauen nach vorne.

Fußballgott

Belohnt wurde der Einsatz in der 66. Minute. Um die Entstehung zu beschreiben, muss man eigentlich nur die Berichte von den Spielen gegen Frankfurt, Bayern oder zuletzt gegen die Kölner durchlesen und den jeweiligen Torschützen eintragen:

Pander-Flanke Schmitz, Kopfball (dieses mal) Höwedes, Tor!

Es ist wirklich erstaunlich, wie präzise dieser Schmitz die Freistoßflanken aus dem rechten Halbfeld in den Strafraum bringt. Verdient war der Ausgleich zu diesem Zeitpunkt in jedem Fall, denn der BvB zog sich weit zurück und brachte bis zum Ende des Spiels nur noch wenig bis gar nichts zu Stande.

Die von den Medienvertretern am meisten diskutierte Szene des Spiels findet in der 71. Minute statt. Kuranyi hat das Laufduell gegen Hummels eigentlich schon verloren. Weidenfeller schien dem Braten allerdings nicht zu trauen und machte sich auf, den Ball wegzufausten. Kuranyi schubst den Innenverteidiger bevor dieser in der Faust des überhektischen Weidenfellers rennt.

Als kritischer Fan muss ich meinen Senf natürlich auch noch dazugeben. Sicher war das ein Faul von Kuranyi. Auch eine gelb-rote Karte wäre meiner Meinung nach hart, aber vertretbar gewesen. Die Verletzung von Matz Hummels nimmt allerdings nicht Kuranyi, sondern Weidenfeller in Kauf. Hummels hatte die Situation eigentlich voll im Griff. Er hatte mindestens einen Meter Vorsprung vor Kuranyi. Ein kontrollierter Kopfball in die arme von Weidenfeller und Hummels müsste heute keine Astronautenkost schlürfen. Stattdessen rennt Weidenfeller ohne Rücksicht auf Verluste in die Szene. Wie man es richtig macht, zeigte Neuer in der Partie in gleich zwei Situationen, in denen er ähnliche Bälle souverän und selbst mit dem Kopf klärt.

Die eigentliche Szene des Spiels gehörte allerdings dem Mann des Spiels: Mit unglaublich viel Gefühl und mit einer erstklassigen Schusstechnik entscheidet Rakitic dieses Derby für die - nun auch statistisch - wahre Nummer 1 im Pott.

Der Rest ist nur noch Freude pur. Die Arena war auch noch Minuten nach dem Anpfiff zu mindestens 95 Prozent gefüllt und feierte eine kämpferisch wiedermal starke Leistung der Mannschaft. Spielerisch war das, mal wieder, keine Offenbarung. Seit Felix Magath ist das allerdings alles kein Problem mehr. Spielerisch schlecht, aber erfolgreich waren wir auch schon unter Mirko Slomka. Den Unterschied macht die Leidenschaft, die damals wohl auch da war, allerdings nicht zu spüren war. Das ist heuer mal ganz anders. Die Mannschaft schafft es mittlerweile sogar das schwächelnde Publikum zu Höchstleistungen zu treiben. Dafür hat sie meinen vollsten Respekt.

Wo geht die Reise hin? Europa-League? Champions League Qualifikation oder sogar mehr? Klare Aussagen kann man da noch nicht machen. Dafür ist das Polster bzw. der Rückstand auf die Konkurrenten bei noch 30 zu vergebenden Punkten einfach nicht groß genug. Sollte sich die Tabellensituation Anfang April, nach dem Bundesligaspiel gegen den FC Bayern allerdings ähnlich aussehen, dann kann es eigentlich nur eine Devise geben: ATTACKE!!!

Doch bis dahin fließt noch jede Menge Rheinwasser in die U-Bahn-Stationen Kölns....

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