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Rainbowlover

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Sie peitschen den Quark, ob nicht etwa Creme daraus werden wolle.

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Der PapiervogelMontag 14.03.2011 08:48 PM

Es wurde langsam Herbst. Die Blätter flogen im Wind um die Menschen die mit Regenschirmen durch die Gassen und Straßen eilten. Der Himmel war grau, und schwere Tropfen fielen aus den dicken flauschigen Wolken. Unter einem der Schirme lief die kleine Nonna mit ihrer Mama. Die lief immer sehr schnell wenn es regnete, dabei mochte Nonna den Regen, er machte so tolle Geräusche. Pling, Pling, Pling von der Regenrinne in eine Pfütze. Ein tiefes, rauschendes Brrrrr gegen Mauern und Fenster. Ein Klonk, Klonk, Klonk, von der Straße in den Gulli. Die Melodie des Regens. Das Lied das Nonna so sehr liebte.
Doch was war das? Da war etwas das die Melodie störte, etwas Unbekanntes, ein Geräusch das nicht passte. Ein tocken und tacken gegen eine Scheibe. Nonna blieb stehen und sah sich um. Plötzlich sah sie ein Zoogeschäft. Ein altes Schild zierte den Eingangsbereich, durch den Schleier des Regens waren die Buchstaben kaum zu erkennen. Nonna kniff die Augen zusammen, da war etwas helles im Fenster, von dort kam auch das Geräusch das so gar nicht zu der Melodie des Regens passen wollte. Etwas klopfte gegen die Scheibe. „hörst du das?“ fragte sie ihre Mama. „Nein, was denn?“ Nonna ließ die Hand ihrer Mama los und lief hinüber. Umso näher sie kam, desto schwächer war das klopfen, und als sie nah genug war um klar durch die Scheiben des Geschäfts sehen zu können hatte es aufgehört. Sie starrte durch das Glas, da waren viele verschiedene Tiere. Kleine Kaninchen, Hamster, Echsen, und noch viel mehr.
Aber all diese Tiere konnten das Geräusch nicht verursacht haben. In der Mitte des Schaufensters saß ein weißer Papiervogel in einem goldenen Käfig. Er war nah genug an der Scheibe um daran hätte klopfen können, doch das war vollkommen unmöglich. Es war nur ein Papiervogel. Gefaltet und zur Dekoration ins Fenster gestellt. Er regte sich nicht.
Da spürte Nonna schon die Hand ihrer Mama auf der Schulter: „Komm schon Nonna, du wirst doch ganz nass!“ Nonna nickte und nahm Mamas Hand und ging mit ihr nach Hause.

Der Vogel und das Klopfen ging Nonna nicht aus dem Kopf. Abends schlief sie mit dem Gedanken an ihn ein und wachte am Morgen mit ihm wieder auf. Sie dachte an ihn während des Essens. Sie dachte an ihn während sie spielte und sie dachte an ihn während sie in der Schule war.
Bald war wieder besseres Wetter und Nonna ging mit Mama und Papa in die Stadt. Sie kamen wieder an dem Zoogeschäft vorbei. Wieder hört Nonna das klopfen, doch der Vogel regte sich nicht als sie ihn ansah, und auch das Klopfen war vorbei.
Als sie ein paar Tage später wieder an dem Geschäft vorbei kamen, ließ Nonna Mamas Hand los und rannte zum Laden. „Da war es wieder!“ rief sie. Wieder war da das Klopfen gewesen, drängender diesmal.
Nonna ging vorsichtig in das Geschäft. Eine leise Klingel verriet ihren Besuch. Sofort ging sie in die Richtung des Vogels. Sie fand ihn im Schaufenster. Das kleine Mädchen sah den Vogel an.
Eben, bevor sie in das Geschäft gekommen war, hatte er noch hinaus gesehen, nun sah er in ihre Richtung. Sie erschrak als sie eine Stimme hinter sich hört:“ Hey, Kleine!“ Eine tiefe, brummige Stimme. Sie sah sich um, ein dicker Mann mit Knollennase und mürrischem Gesicht sah auf sie herab. Nonna wich ein paar Schritte zurück und fragte kleinlaut: „I...Ist de...der Vogel zu verkaufen?“ Der Mann grunzte, Nonna dachte das es wohl ein Lachen sein sollte, denn der Mann sagte kichernd:“ Mädchen, du kannst alle Tiere hier haben, welcher soll es denn sein?“ Er trat an einen Käfig voller Wellensittiche die trällernd umher flogen. Nonna schüttelte energisch den Kopf:
„Nein, nein!! Ich meine den Papiervogel!“ „Den Papiervogel?“ brummte der Mann und zog eine Augenbraue nach oben. Sie sahen aus wie riesige, graue, haarige Würmer. Das schummrige Licht in dem Laden, legte einen unheimlichen Schatten auf das Gesicht des Mannes. Er schob sich an Nonna vorbei und hangelte den Käfig mit dem Vogel aus dem Schaufenster. Schulterzuckend reichte er ihr den Käfig, der ebenfalls aus Papier war, wie Nonna nun feststellte. „Du kannst ihn behalten, ich brauche ihn nicht...“ brummelte der Mann. Nonna bedankte sich artig und beeilte sich aus dem Geschäft zu kommen. Der alte Mann sah ihr kopfschüttelnd nach.
„Was hast du denn da?“ fragte Mama. „Einen Vogel!“ sagte Nonna fröhlich! „Was willst du denn mit einem Papiervogel?“ fragte Mama lachend. „ Ich weiß nicht, ich glaube er wollte das ich ihn da heraus hole.“ meinte Nonna.
Am Abend stellte Nonna den Käfig mit offenem Türchen an ihr Fenster und öffnete es. „Ich glaube du magst es nicht eingesperrt zu sein, oder? Wenn du möchtest kannst du gehen.“ flüsterte sie. Aber nichts geschah. Wahrscheinlich hatte sie es sich alles nur eingebildet. Es war eben doch nur ein Papiervogel.
Nonna ging ins Bett und schlief kurz darauf ein. Sie träumte von dem Vogel und wie sie auf seinem Rücken durch den blauen Himmel flog.
Am nächsten Morgen lief Nonna sofort zum Käfig. Doch der Vogel war verschwunden. Stattdessen lagen viele, viele weiße Papiersternchen im Käfig und in der Fensterbank. Nonna lächelte, sah aus dem Fenster und sagte leise:“ Gern geschehen...“

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