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[Kein Thema]Donnerstag 11.06.2009 12:22 AM

Viele wissen nicht, dass sie Hilfe brauchen

In diesem Moment leiden in Deutschland vermutlich 4 Millionen Menschen an einer Depression. In Köln zum Beispiel sind es allein etwa 50.000. Christine Stierl hat drei schwere Depressionen durchgemacht. Sie sagt: „Man kann sich nicht mehr daran erinnern, dass das Leben je schön war. Und was noch schlimmer ist: man kann sich überhaupt nicht vorstellen, dass dieser Zustand je ein Ende nimmt.“50 Prozent der an einer schweren Depression erkrankten Menschen unternehmen einen Selbstmordversuch - und 15 Prozent nehmen sich das Leben. Doch viele Depressive wissen nicht, was mit ihnen los ist. Sie schleppen sich wochen- oder monatelang durch den Alltag, glauben aber nicht, dass sie schwer krank sind und dringend Behandlung brauchen. Auch Ärzte tappen oft im Dunkeln, man schätzt, dass nur jeder zweite die richtige Diagnose bekommt. Das sind bei ungefähr 4 Millionen Betroffenen also nur 2 Millionen. Die anderen 2 Millionen werden falsch therapiert oder überhaupt nicht behandelt.


Die Depression kann grundsätzlich jeden treffen. Auch diejenigen, von denen man es am wenigsten erwartet. Trotzdem ist kaum jemand bereit, offen darüber zu reden, dass er an einer Depression leidet – die Krankheit wird immer noch mit persönlichem Versagen in Verbindung gebracht. Wenn schon, dann spricht man lieber von Burn-out. Das klingt akzeptabel – gilt doch der Burn-out als die Krankheit der Leistungsstarken und Engagierten. Das ist wohl der Grund dafür, dass es vielen Menschen, die an einer Depression erkrankt sind, leichter fällt, von einem Burn-out–Syndrom als von einer Depression zu sprechen. Allerdings gibt es bis heute keine klare wissenschaftliche Definition des Begriffs Burn-out. Das heißt: Burn-out ist im Unterschied zur Depression kein offiziell anerkanntes Krankheitsbild mit eindeutig definierten Symptomen.

Offen mit Depressionen umgehen

Was die Betroffenen oft nicht wissen: Es gibt Hilfe. Gute Medikamente machen es heute möglich, das Leiden zu stoppen, in der Regel werden sie mit einer Psychotherapie kombiniert, so dass auch äußere Ursachen wie Beziehungskonflikte oder Angst am Arbeitsplatz bearbeitet werden. Gisela Noy sagt über das Medikament, das ihr schließlich geholfen hat: „Es dauert, eh man eine Wirkung verspürt. Aber wenn die dann einsetzt, dann wacht man morgens auf und merkt: Ich bin wieder die/der Alte. Es ist alles wieder da.“ Experten raten dazu, bei Anzeichen für eine Depression unbedingt zum Arzt zu gehen. Nur dann kann diese Krankheit schnell erkannt und wirksam behandelt werden.

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