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Master_Schnief

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Was uns allen fehlt, das ist doch Liebe - und eine Steuerreform

KettenreaktionMittwoch 30.12.2009 02:57 PM

Freitag, 30. Dezember, 10:43 Uhr: Gut 37 Stunden vor dem Jahreswechsel lastet eine schier unerträgliche Spannung über der Siedlung Önkelstieg, dessen Bewohner der Stunde null entgegenfiebern, um endlich losschlagen zu können.

10:46 Uhr: Ein an sich unerheblicher Zwischenfall wird sich noch bitter rächen. Nachdem sie in einem Stallgebäude ihres Kleingartens die Kaninchen versorgt hat, entreißt ein Windstoß der Rentnerin Erna B. die Schuppentür, die mit vernehmlichem Knall hinter ihr zufällt. Von nun an überschlagen sich die Ereignisse.

10:48 Uhr: Der vermeintliche Erstschlag aus der Nachbarschaft trifft den Familienvater Fred S. völlig unvorbereitet. In einer viel zu flachen Flugkurve startet sein hastig gezündeter Raketensatz ‚Cape Canaveral‘, dessen Werbeaufdruck ‚Einmal Zünden, sechsmal Sternenzauber‘ unterwegs sein Versprechen hält. Ein Sternenzauber findet mit unglücklicher Präzision den direkten Weg in enen Lüftungsschacht der Bäckerei Brörmeier. Die anschließende Mehlstaubexplosion in der Backstube macht die vor Wochen von Bäckermeister Erwin Brörmeier großspurig angeregte Firmenaktion ‚Brote statt Böller‘ mit einem Schlag unglaubwürdig und zerstreut letzte moralische Bedenken in der Siedlung.

11:02 Uhr: Der 17 jährige KfZ-Lehrling Sven G. verliert als nächster die Nerven. Seine in mühevoller Kleinarbeit selbstentwickelte Bombenkette aus 12 gegeneinandergeschraubten VW-Zylindern belohnt mit fulminanter Wirkung sein Interesse am fachgründlichen Unterricht an der Kreisberufsschule.

Gegen 14 Uhr verhilft der auflebende Südostwind dem großen familienfreundlichem Silvestersortiment ‚Feuerball‘ mit 17 Leuchtraketen und mehr als 90 bunten Effekten zu ungeahnter Reichweite.

14:02: Immerhin 15 dieser bunten Effekte erreichen am 3km entfernten Ostufers des Stenkelfelder Sees den Balkon des 83 jährigen Kriegsveterans und Militariahändlers August R.. Vom Feuerschein und alten Erinnerungen geweckt beschließt er sein kostbarstes Sammlerstück zu opfern.

Minuten später gleitet ein acht Meter langer Torpedo der V-Klasse von seinerzeit vor Danzig verunglückten U435 aus seinem Bootsschuppen und nimmt Kurs auf das gegenüberliegende Seeufer. Nach 4 Minuten und 12 Sekunden erfolgt der Einschlag in die Uferterasse des Gasthofs Knollmeyer.

14:09 Uhr: Ein Gartenstuhl und zwei Sonnenschirmbetonständer durchschlagen das dünne Holzdach der Wachbaracke an der Martin-Luther-Kaserne im Nachbarort Heringsmoor und verfehlen den wachhabenden Hauptgefreiten Ronald C. nur um ein Haar. Der durch den hastigen Genuss von anderthalb Flaschen Küstennebel ungewohnt entschlussfreudige Berufssoldat trifft in den durch den Weihnachtsurlaub entvölkerten Militärstützpunkt eine einsame Entscheidung: die 16 Luftabwehrraketen vom Typ Herkules 3 erheben sich majestätisch in den Dezemberhimmel.

14:15 Uhr: Das Hachmannsfelder Gehölz, die Siedlung Önkelstieg, die Straßenzüge S chmöllerdamm, Bölterkamp, Süderweg, Blömker Allee, weite Teile des Industriegebiets Sottrup sowie der Rangierbahnhof Höcklage sind nicht mehr. Durch die rauchenden Trümmer einer Mondlandschaft irren Menschen. Menschen wie du und ich, die mit ihrem Silversterfeuerwerk einfach nicht mehr warten konnten.

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