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Schlager und andere PeinlichkeitenDonnerstag 10.05.2007 04:58 PM

Als ich mir vorhin was zu Essen aus der Küche holte, hörte mein Vater grade Radio. Wie immer NDR1, diesen "Volksmusik, Schlager und sonstwas schreckliches"-Sender. Ich dachte ich hör nicht recht - Summer Wine? Aber nein, es hieß "Sommerwein". Das ist etwas, was ich ganz schrecklich hasse. Okay, Remakes sind nicht von vornherein abgrundtief schlecht (die aktuelle Version von Ville Valo und Natalia Avelon kann man ja auch ganz gut hören) oder immer noch schlechter als das Original (in diesem Fall btw. von Lee Hazlewood und Nancy Sinatra), aber BITTE NICHT ALS DEUTSCHER SCHLAGER!!!111einself!!
Okay, dieses Lied scheint wenigstens korrekt übersetzt worden zu sein, zumindest vom Titel her. Den Rest habe ich mir nicht angehört sondern bin geflüchtet. ^^ Mir fällt bei sowas immer wieder eine Geschichte aus meiner Kindheit ein.

<Märchenonkel-Modus>
Es war damals, Ende der 80er. Die DDR hörte auf zu existieren, und David Hasselhoff stand mit seiner absolut einzigartigen Lederjacke mit der blinkenden Weihnachtsbaumlichterkette dran ^^ auf der Berliner Mauer und sang "I've been looking for freedom". Man kann es sich heute kaum vorstellen, aber Mr. Hasselhoff war zu dieser Zeit als der Hauptdarsteller aus Knight Rider noch ein Star. Es gab Kaugummis mit Sammelbildchen von ihm! Mein damals bester Freund hatte ein Poster von Michael Knight in seinem Zimmer hängen und wollte später mal genau so toll werden wie er. Deshalb war er auch derjenige, der von mir erfuhr, dass ich das Lied von David auf deutsch gehört hätte. Ich muss in der 3. Klasse gewesen sein, und alles was ich (mehr oder weniger) auf englisch konnte waren die Zahlen bis zwölf, die mir ein britischer Austauschstudent meiner Patentante ca. 5 Jahre vorher beigebracht hatte. Jaja, damals bekamen wir erst in der OS (Orientierungsstufe), also in der 5. Klasse, Englischunterricht.
</Märchenonkel-Modus>

Gott, ich schweife ab.

Ich erzählte Jan also in der großen Pause, dass ich "I've been looking for freedom" im Radio gehört hatte - auf deutsch. Im Unterricht wurde selbstverständlich auch über die Wende gesprochen, und unsere Lehrerin fragte ob wir denn eigentlich wüssten, was "I've been looking for freedom" bedeuten würde. Und Jan drehte sich zu mir um, ich flüsterte ihm den deutschen Titel nochmal zu, er meldete sich, kam dran und sagte voller Stolz: "Auf der Straße nach Süden". Die Lehrerin schaute etwas verdutzt. Vielleicht stellte sie sich vor, wie sich die gesamte DDR nun auf den Weg in den Süden machte. (Gar nicht so abwegig eigentlich, schließlich hörte man doch oft, dass "die von drüben" keine Bananen und Ananas kannten (deshalb schickten wir sie ihnen ja an Weihnachten), und auch nie im Süden Urlaub machen konnten.) Naja, sie erklärte uns dann aber doch, was es mit dem Original-Liedtitel auf sich hatte.

Seit diesem Tag bin ich gegenüber Schlagern sowas von skeptisch. Schließlich hatte ich auf einen Schlag so viele Dinge gelernt:
- Schlager sind nur auf deutsch nachgesungene englische Lieder
- meistens sind sie auch noch SCHLECHT nachgesungen oder -gespielt
- Schlagersänger können kein Englisch
- deshalb werden oft einfach deutsche Texte ohne Zusammenhang zum Original genommen
- aus Schlagern kannst Du nix lernen, außer: Wenn Du Schlager ernst nimmst, werden früher oder später andere über Dich lachen.

Da fällt mir noch eine andere, viel peinlichere Geschichte im Zusammenhang mit Schlagern (in diesem Fall: Matthias Reim) ein. Die erzähle ich nun aber nicht. Vielleicht demnächst irgendwann...

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