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Irgendwo zwischen Realität und Wahnsinn

Aus dem Tagebuch einer Krähe: "Importware"Sonntag 22.05.2011 02:33 PM

Aus dem Tagebuch einer Krähe:

„Importware“



Seit über einer Woche bin ich wieder in Gifhorn. Ich habe mich im großen und ganzen wieder umgestellt und ein vorrübergehender Alltag ist eingekehrt. So ganz den Alltag annehmen kann ich noch nicht, denn am Samstag reist dann auch endlich Alexander an und erneut müssen sich Gewohnheiten einstellen und Alltag einfinden, nur um mit der Geburt von Artemis erneut über den Haufen geworfen zu werden. Sehr motivierend.

Alexander reist an – das Beschäftigt mich tagtäglich. Seit langem führen wir jetzt eine sehr ausgeglichene und glückliche Beziehung, dass sich nun ein Töchterchen „eingeschlichen“ hat, war zwar überraschend und hat für einiges an Stress gesorgt, aber wir haben uns der Sache angenommen und freuen uns beide auf die nun kommende Zeit zu dritt.

Aber wenn ich mich so umsehe... Hier in Gifhorn findet man ja nichts. Ich zumindest nicht. Ich bin froh, dass ich den langen Weg nach Löffingen angetreten bin, um Alex über den Weg zu rennen. Ich habe nie wirklich nach ihm gesucht – und doch wusste ich, dass ich ein wichtiges Teil meines Lebens gefunden hatte. Das wäre mir hier in Gifhorn nicht passiert.
Etwas sorglos machte ich mich vor fast zwei Jahren auf in den Schwarzwald, um endlich diese zermürbende Distanz zu überwinden, nur um zwei Jahre später und nicht ganz freiwillig zurück zu kehren. Mit Alex.

Jetzt bringe ich also diese „Original Schwarzwälder Importware“ nach Norddeutschland, nach Gifhorn, wo in meinen Augen immer noch keine gescheiten Männer herumlaufen. (Vielleicht bin ich auch einfach nur zu wählerisch!?). Ich bringe einen zuverlässigen, gutaussehenden, humorvollen und sehr geschickten jungen Mann an einen Ort, wo es von seiner Sorte definitiv zu wenig gibt. Nicht, das ich mir Sorgen machen müsste, dass Alex mir davonläuft – er hat mir mehr als einmal, ohne es zu wissen, bewiesen, dass er kein Interesse an anderen Frauen hat – aber irgendwie... ein bisschen nachdenklich stimmt mich das schon. Alex ist, obwohl ein wenig jünger als ich, seinen männlichen Altersgenossen weit voraus. Besonders, was Verantwortung angeht. Aber alle, die Alex etwas besser kennen, wissen, was ich meine. Was ich ihm sehr hoch ansehe, ist, dass er mich nicht hat sitzen lassen, als ich über seinen Kopf hinweg entschieden habe, dass ich das Kind bekommen werde, allen Widrigkeiten zum trotz. Das er sich dennoch dem Kind angenommen hat (und jetzt schon nicht mehr hergeben würde). Viele andere in seinem Alter hätten gesagt: „Dein Problem, nicht (mehr) unsers“ und sich auf und davon gemacht. Verständlich, denn jetzt, wo das Leben gerade erst beginnt, sich schon mit den Verantwortungen und Verpflichtungen, die ein Kind mit sich bringt, herumschlagen? Arbeiten gehen, um fürs Studium Geld zusammenzukratzen, Schichtarbeit bei Volkswagen? Freiwillig? Wo andere Feiern gehen und das Leben genießen? Allein, dass er das mit einem Schulterzucken und den Worten „Was soll’s, Hauptsache, uns geht es gut und wir haben eine solide Basis für eine sichere Zukunft“ hinnimmt, rechne ich ihm hoch an. Er weiß, dass ich ihn unterstütze, wo ich kann und Lösungen für scheinbar unlösbare Probleme gefunden habe. Und hinterher haben wir beide davon noch profitiert.
Um nichts in der Welt würde ich diesen Mann hergeben wollen.

Taucht vielleicht noch die Frage auf, warum ich Alex als „Importware“ bezeichnet habe. Natürlich ist er kein Gegenstand oder etwas derartiges, ich will damit was ganz anderes Ausdrücken. Heutzutage hat das so einen unangenehmen Beigeschmack, vielleicht weil Importware oft mit „Billig aus dem Ausland herbeigeschafft“ gleichgesetzt wird. Ich denke dabei eher an etwas anderes: Früher haben Königshäuser Expeditionen in ferne Länder ausgesandt, damit diese dann kostbare Dinge erstanden mitbrachten: Gold, Silber, Diamanten und andere Edelsteine, kostbare Stoffe wie Kattun und Seide, Jaguare oder Singvögel reisten oft Monatelang und Kilometerweit, um das Herz eines Fürsten oder Monarchen zu erfreuen. Alex ist so etwas kostbares, wofür sich alle Risiken, Opfer und Mühen meinerseits gelohnt haben. Wenn ich mich um etwas beneiden würde, dann um ihn. Und dieses in meinen Augen so Kostbare, Beneidenswerte, Begehrenswerte habe ich aus dem Schwarzwald hier her gebracht – und wer würde sich nicht um seine Kostbarkeiten sorgen und ein wachsames Auge darauf haben?

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