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Kapitel 4 - Harte Worte und sanfte BerührungenDonnerstag 09.07.2009 11:04 AM

„Schatz! Telefon für dich!“, der Ruf ihrer Mutter ließ Alyshia aus ihrem Schlaf schrecken. Ohne zu überlegen, wollte die noch verschlafene Alyshia ihrer Mutter antworten. Doch noch bevor ein einziger Ton über ihre Lippen kam, verschloss sie diese mit ihrer Hand. „Ich darf nicht! Verdammt noch einmal, ich darf nicht!“, redete sich Alyshia streng ein. Es klappte.
Mit schnellen Schritten lief Alyshia die Treppe hinunter. Bis sie im Flur stand. Ihre Mutter wartete schon auf sie. „Wer ist das?“, fragte ihre Mutter und reichte Alyshia den Hörer. Doch die zuckte nur mit den Schultern und nahm den Hörer entgegen.
„Hallo kleine Sängerin, du kennst uns doch noch, oder? Wir wollten nur sicher gehen, dass du auch wirklich nicht mehr singst.“, sagte eine bedrohliche Stimme am Ende der Leitung, „Wir werden erfahren wenn und wann du singst. Aber da du dich nur in Schweigen hüllst, wird es wohl noch einfach werden. Aber vergiss nicht, halte dein Versprechen ein. Sonst würde deinem Freund etwas widerfahren...“ Nur noch das Tuten der Leitung drang an ihr Ohr.
„Alyshia wer war das?“, rief ihre Mutter aus der Küche. Sofort erwachte das Mädchen aus ihrer Starre, die von ihr bei dem Schrecken Besitz ergriffen hatte. Sofort klemmte Alyshia den Hörer zurück auf seinen Platz und ging in die Küche. Doch anstatt ihrer Mutter eine Antwort zu geben lächelte sie nur milde. Obgleich ihr zum Weinen zumute war.
Schweigend verließ Alyshia die Küche wieder und ging zurück in ihr Zimmer. Dort warf sie sich auf ihr Bett und vergrub das Gesicht im Kissen. Ihre Augen wollten sich mit Tränen füllen, doch der weiche Stoff sog alles auf. Sog die warmen Tränen auf bevor sie sich ihren Weg auf ihren Wangen suchen konnten.
Während Alyshia sich erneut in den Schlaf weinte, machte sich Jay große Sorgen um seine Freundin. Warum musste sie auf diese Kerle hören? Konnte sie nicht einfach so weiterleben wie bisher? Er musste etwas tun. Das war ihm klar. Doch was sollte er tun? Was konnte er tun? Er musste es irgendwie schaffen diese miesen Kerle auszutricksen. Doch wie?
So machte sich Jay den ganzen Tag Gedanken. Bis ihm sein Kopf zu platzen schien. Von dem ganzen Hin und Her schmerzte sein Kopf. Ohne weiteres Nachdenken legte er sich einfach in sein Bett und schlief ein.
Das klingeln ihrer Wecker riss beide Freunde aus dem Schlaf. Warum musste er immer die Nacht so früh beenden?
Erst jetzt merkte Alyshia, dass sie nichts für die Schule getan hatte. Schnell kramte sie in ihrer Tasche, nahm ihr Aufgabenbuch und warf einen Blick auf den gestrigen Tag. Gott sei Dank. Sie hatten nichts aufbekommen.
Schnell wechselte Alyshia die Kleidung. Noch einmal stand sie vor ihrem Spiegel.
„Ich werde nichts sagen. Ich werde ruhig sein. Jay DARF einfach nichts passieren!“, nahm sie sich in Gedanken vor. Mit festem Willen lief Alyshia die Treppen herunter. Noch war sie voller Mut. Bis sie aus der Haustür trat und über die Straße blickte.
Sofort kroch die Angst in ihr hoch. Die Angst davor, dass sie plötzlich wieder gepackt werden konnte. Mit schnellen Schritten machte sich Alyshia auf den Weg zur Schule. Doch dort verflog die Angst nicht. Nein. Die vergangenen Bilder huschten wieder durch ihren Kopf. Hatten nicht vor ihre Gedanken zu befreien. Eher sie zu quälen.
„Alyshia“, rief plötzlich eine sehr vertraute Stimme. Alyshia blickte hinter sich und winkte. Jay kam ihr entgegen. „Kannst du denn wenigstens noch mit mir reden? Sie hatten dir doch nur gesagt, dass du das Singen lassen sollst.“, bat Jay. Doch seine Freundin senkte nur schweigend den Kopf.
„So rede doch mit mir! Ich will dir helfen!“, sagte Jay etwas lauter und packte Alyshia an den Oberarmen. Doch sie formte nur stumm ein ‚Aua’. Jay verstand sofort und lockerte seinen Griff. Dennoch behielt er sie bei sich.
„Rede doch mit mir. Bitte, ich flehe dich an.“, brachte Jay verzweifelt hervor. Doch Alyshia senkte nur den Kopf. Konnte er denn nicht verstehen, dass als dies doch nur dazu gut war um ihn zu schützen? Alyshia begann sich in Jays Griff zu winden. Mühsam schaffte sie es sich zu befreien. Ohne Worte oder Gesten lief sie einfach auf den Eingang der Schule und das Schicksal meinte es mal gut mit ihr. Gerade als sie an der Tür ankam, klingelte es. Das war ihre Rettung. Bei dem Ansturm von Schülern kam Jay nicht so leicht zu ihr durch. Erst vor der Klasse würden sie sich treffen.
Wie Alyshia vermutet hatte, kam Jay erst ein paar Minuten später zu ihr. Vor die Klasse. Doch bevor er etwas sagen konnte – wieder meinte es das Schicksal gut mit Alyshia – kam der Lehrer und öffnete der Klasse die Tür.
Sogleich begann auch der Unterricht.
Mitten in der Stunde war jedoch ein Klopfen zu hören. Der Schuldirektor kam herein und hatte einen neuen Schüler bei sich.
„Das ist Sean. Er wird ab heute zu euerer Klasse gehören. Seid freundlich zu ihm.“, sagte der Direktor nur und verließ wieder den Raum. Sofort wurde Sean ein Platz in der letzten Reihe gegeben.
Die erste Stunde verging genau so zäh wie die Zweite. Doch dann war endlich Pause. Alyshia ging aus dem Saal und wurde direkt wieder von Jay aufgehalten. „Warum gehst du mir jetzt aus dem Weg? Hab ich etwas falsches getan?“, frage er und sah dabei Alyshia mit schmerzendem Blick an. Doch ihr stiegen nur wieder die Tränen in die Augen. Wie gern hätte sie ihm gesagt, dass sie das alles doch nur für ihn tut. Wie gern hätte sie sich bei ihm ausgesprochen. Doch diese Zeiten waren nun vorbei. Nie wieder hätte sie mit ihm über ihre Probleme und Ängste reden können. Nie mehr hätte sie sich einfach so in seine Arme stürzen können wenn sie sich schlecht fühlte.
Das war nun alles Vergangenheit. Sicher. Sie waren noch immer engste Freunde. Doch die Worte zwischen ihnen wurden immer seltener. Nur noch Jay sprach.
„Nicht doch. Bitte hör auf zu weinen. Das ertrag ich nicht auch noch. Was glaubst du wie es mir geht? Mir fällt das alle hier doch auch nicht leicht.“, sagte Jay und drückte Alyshia behutsam an sich. Langsam erkannte er, dass er sie mit seiner ständigen Fragerei verwundete. Zwar nicht oberflächlich, doch tief in ihr drin.
„Es tut mir so leid. Ich werde dich nicht mehr mit meinen Fragen löchern. Ich will doch auch nur wieder deine Stimme hören.“, sagte Jay leise und spürte wie sich Alyshia noch fester an ihn schmiegte. Wie früher. Die gewohnte Nähe war wieder da. Die gewohnte und vertraute Sicherheit.
In diesem Moment war Alyshia von ihren Ängsten befreit. Nie mehr wollte sie Jay loslassen. Nie wieder wollte sie sich aus seinen Armen entfernen müssen. Diese Geborgenheit, diese Sicherheit, dieses Gefühl der Vertrautheit wollte sie nicht mehr verlieren.
Sie wollte nicht mehr Angst um Jay haben müssen. Doch nichts geschah nach ihrem Willen. Deswegen genoss sie einfach Jays Nähe. Genoss sie so lange, bis sie sich von ihm trennen musste. Doch ein Lächeln seinerseits gab ihr immer noch diese Wärme.

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