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Kapitel 6 - Erneuter Schlag und neue HoffnungDonnerstag 09.07.2009 11:03 AM

„Du musst dafür sogen, dass sie niemals mehr mit dem Singen anfängt!“, sagte ein Mann. „Ja Avery, es ist ja gut! Bis jetzt ist sie ja immer noch stumm. Sie redet kein Wort! Noch nicht einmal, wenn man sie bedrängt.“, erklärte ein Junge. Sofort erkannte Jay die Stimmen. Keine anderen hasste er so sehr wie diese. Eine von ihnen hatte Alyshia zur Stummheit verpflichtet. Die andere hatte sie bedrängt, als er mal nicht bei ihr war.
Sofort stieg der Hass in Jay hoch. Wie konnte er nur so hinterhältig sein? Wie konnte Sean nur so gemein sein?
Sein Blick wanderte kurz zu Alyshia. Ihr war die Angst ins Gesicht geschrieben. Ihre eisblauen Augen waren starr nach vorne gerichtet.
„Solange sie schweigt, ist alles in Ordnung. Denke aber daran, dass du dein sorgenloses Leben abschreiben kannst, wenn sie meint, sie müsse wieder singen!“, sagte Avery. „Ja. Ich bin den halben Tag bei ihr. Sie ahnt nichts. Nur dieser Jay scheint sie immer zu beschützen. Er könnte noch ein Problem werden!“, stellte Sean fest.
‚Und was ich für ein Problem werde!’, dachte sich Jay und lauschte wütend.
„Diesen Jay räumen wir aus dem Weg wenn sie singt. Da mach dir keine Sorgen. Sie macht sich eher Gedanken um das Wohl ihres Freundes als darum, ob sie singt oder nicht.“, erwiderte Avery. Nichts ahnend, führten die beiden ihr Gespräch fort.
Doch Alyshia hielt es nicht mehr aus. Sie wollte weg. Nur noch weg von dort. Stumm zupfte sie leicht an Jays Ärmel. Der schaute zu ihr und sah ihre, mit Tränen erfüllten, Augen. Sofort verstand er.
Er nahm sie wieder bei der Hand und verschwand mit ihr so leise wie möglich. Als sie sich in Sicherheit fühlten, rannten sie los. Jay rannte mit Alyshia die Straßen herunter.
Ihr fiel es nicht schwer mitzuhalten. Die Angst verfolgt zu werden trieb sie voran. Vor Jays Haus hielten sie inne. Schnell kramte er den Schlüssel aus seiner Tasche, schloss die Tür auf und zog Alyshia mit sich ins Innere.
Sogleich als er sie wieder verschlossen hatte, legte er beschützend seine Arme um Alyshia. Sofort brach sie in Tränen aus. Weinte bitterlich. Doch ohne einen Ton zu verlieren.
Einige Menschen konnten in diesen Situationen nicht stumm sein. Konnten ihre Stimme nicht bändigen. Doch Alyshia konnte es. Schützend drückte Jay seine Freundin fester an sich. Wollte ihr Geborgenheit schenken. Wollte ihre Tränen stoppen.
Jay schaffte es. Alyshia beruhigte sich wieder ein wenig. Doch sobald sie den Kopf hob und in das Gesicht ihres Freundes blickte, bahnten sich neue Tränen an. Jay führte sie ins Wohnzimmer und platzierte Alyshia auf dem Sofa. „Beruhige dich. Ich werde nicht zulassen, dass diese Mistkerle dir etwas antun.“, sprach Jay mit sanfter Stimme.
Doch Alyshia konnte nicht mehr aufhören. Die Bilder des grauenvollsten Tages ihres Lebens kamen wieder hoch. Neue Tränen bahnten sich an und liefen ihr über die Wangen.
Das alles war zu viel für sie. Weinend verlor sie in Jays Armen das Bewusstsein.

Verwundert öffnete sie die Augen. Sah sich desorientiert um. Wo war sie? „Alyshia!“, kam es plötzlich aus einer Ecke des Zimmers. Als Alyshia ihren Kopf drehte, erblickte sie das von Sorge erfüllte Gesicht ihres Freundes. „Du bist bewusstlos geworden. Anscheinend hat das alles dir ziemlich übel mitgespielt.“, erklärte Jay sanft und setzte sich neben Alyshia. Erst jetzt erkannte sie das Wohnzimmer ihres Hauses.
Auch erst jetzt fiel ihr wieder alles ein. Das Gespräch das sie belauscht hatte. Es war zuviel für sie gewesen. Der Druck. Die Angst. Alles. Sie hatte es nicht mehr verkraftet.

Wieder verging die Zeit langsam um schleppend. Jay und Alyshia ließen sich nicht anmerken, dass sie Seans wirkliches Gesicht kannten. Es hätte dazu führen können, dass ihnen etwas geschieht. Die Entfrüher hätten es erfahren können. Doch all dies war für Alyshia die schlimmste Qual. Nicht reden zu können aus Angst und Sorge. Nicht singen zu können.
Doch all das nur, weil sich ein Konkurrent von ihr bedroht fühlte in seinem Ruhm. Nur weil sie Konkurrenz nicht vertrugen. Nach und nach wurde es wieder Sommer. Das Ende des Schuljahrs stand nun bevor. Doch somit auch der Tag an dem das Schweigen begonnen hatte. Ein Jahr war es nun her. Ein langes Jahr hatte Alyshia ihre Stimme nicht genutzt. Würde sie ihr überhaupt noch gehorchen? Würde sie überhaupt noch so eine schöne, laute Stimme haben wie früher? Eine Stimme die alles übertönt?
Diese Fragen schwirrten nur so in Alyshias Kopf. Immer wieder kam ihr der Gedanke wieder zu singen. Doch warum gerade jetzt? Nach einem langen Jahr in dem sie geschwiegen hatte!
Sie selbst wusste keine Antwort darauf.
Sie wusste nur, dass die Musik sie rief. Egal wo sie war. Sie schwirrte in ihrem Kopf. Doch auch mit großer Mühe, hatte sich nicht das verhindern lassen können, was vorhersehbar war…

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