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Delatio

Delatio

// www.myspace.com/odrezmusic Neue Tracks, Neues Album, Alles schön ~
Ich werde folglich in meinen Schriften die menschliche Moral analysieren und
kritisieren. Normale Situationen, in denen sie, nach meine Ansichten, für
Fehlverhalten sorgt. Ich fange mit kleinen Themen an..

Ein Beispiel, das, schätzungsweise aus pädagogischen Gründen, im Unterricht der
Schule verwendet wird, und mir persönlich die Sympathie der Lehrerin wohl in
den Abgrund schoss.. Hier ist die Moral deutlich spürbar. Mir wurde folgende
Situation beschrieben, in der es galt eine Entscheidung zu treffen:
"Eine Person läuft die Straße entlang. Sie ist in Eile, da sie die Straßenbahn,
die unmittelbar einfährt, und in Kürze an der Haltestelle stehen wird, dringend
erreichen muss, um einen Termin einzuhalten. Völlig gleich, wie hoch dessen
Wichtigkeit ist; Sei' es ein Freund, oder ein wichtiges Gespräch mit Autorität;
Sie rennt fast, und sieht im Vorrübergehen eine alte Frau an einer Straße
stehen. Sie war gerade einkaufen, ist beladen mit mehreren Tüten und versucht,
die Straße zu überqueren, was ihr aber durch den fließenden Verkehr und
ihrer, ihr bewussten Trägheit sichtbar verwehrt bleibt. Die Person hält kurz inne,
da sie sich irgendwie urplötzlich der Tatsache bewusst wird, dass die alte
Frau wohl Hilfe benötigen könnte."

Nun ist diese Situation gegeben, und es soll folglich entschieden werden, ob
es in der Verpflichtung liegt, der alten Frau behilflich zu sein, und somit den
eigenen Termin mit möglich schwerer Folge zu verpassen, oder man schlichtweg
weiter laufen sollte. Und nachdem die Gespräche im Kurs immer mehr die Wörter
Moral, Pflichtbewusstsein und Egoismus fielen, kam mir das Ganze dann doch
ein wenig unsinnig vor. Ich brachte mich nun doch ein, und beschrieb' die
Situation wie folgt: "Ich würde die Situation anders betrachten wollen. Völlig
fern von den Werten, die wir pädagogisch anerzogen bekamen. Die alte Frau
ist bewusst alleine Einkaufen gegangen. Sie hat so viel gekauft, dass sie es
kaum mehr tragen kann. Und sie läuft völlig bewusst einen Weg, dessen
Unsicherheit sie von Beginn an hätte bemerken müssen - Die alte Frau
müsste ja tatsächlich mit der Einstellung, dass ihr auf dem Rückweg geholfen
würde, aus der Einkaufshalle gegangen sein. Sie hat ihre eigene Verantwortung
für den Verlauf ihres Ganges bewusst auf andere Menschen geschoben, und
ich möchte gar nicht behaupten, dass sie dies aus bösem Willen getan hätte,
nur möchte ich ausdrücken, dass sie sich der Situation bewusst war, und
im Grunde die Macht besaß, sie so problemlos wie möglich zu bestreiten.
Sie hat es aber nicht getan. Nun kommt die Person, rennend, und zeigt somit,
dass sie sich selbst aus ihrer Problemlage, nämlich der möglichen Nichteinhaltung
eines Termins, selbst befreien möchte. Nun rennt sie rein zufällig an der alten
Frau, die absolut selbstgerecht und uneinsichtig gehandelt hat, vorbei, und
mit einem Mal passiert genau das, was die alte Frau erwartet: Die Person
fühlt sich moralisch schuldig. Sie reimt sich eine nicht vorhandene Verantwortung
beisammen und zieht in Erwägung, aus der ihr anerzogenen Moral die Frau
aus der fatalen, misslichen und nicht abwendbaren Gefahr der Zeitverschwendung
zu retten, sich damit selbst ob ihrer guten Tat besser zu fühlen und ihren Status
in der allgemeinen Liste der Menschenhelfer zu erhöhen. Und hier tritt meine
Kritik an der Moral ein. Sie zwingt den die Person zu einer selbstzerstörerischen
Handlung, ohne wirklich eine vernünftige Rechtfertigung dafür zu liefern.
Die alte Frau schadet in diesem Falle der Person, und nicht umgekehrt.
Denn das Beispiel nutzt automatisch bestimmte moralische Feind-, und Freund-
bilder. Das Sinnbild der "alten Frau".. das heißt, dass sowohl eine für die
Person nicht vorhandene "Behinderung" existiert, die als Bild der
"absoluten Beeinträchtigung" gefördert wird, als auch das Bild der "Frau",
deren wahnsinnige Hilflosigkeit ja ohnehin durch die Emanzipation eingeführt
wurde. Wir haben hier also eigentlich eine "beeinträchtigte Hilflose", und
keine "alte Frau". Dass diese Hilflose aber doch eigentlich für ihre Lage selbst
verantwortlich ist, und somit kein Recht auf eine Hilfestellung besitzt, sondern
sich lediglich mit großem Dank aufopfern könnte, wenn sie diese bekommen
würde, wird nicht betrachtet. Wir fühlen uns ihr nur moralisch verpflichtet,
weil man uns sagte, dass arme alte Frauen auf der Straße die Leidtragenden
der Gesellschaft sind, denen wir unsere Hilfe wegen unserer eigenen, ja
unfassbar begünstigten Lebensabläufe schuldig sind und bleiben.
Ganz abgesehen davon, dass die alte Frau ja das erste Mal in ihrem Leben
Einkaufen gewesen sein müsste, wenn sie doch tatsächlich so unklug ist,
alleine zu gehen und dabei noch einen, für sie beträchtlich dämlichen Weg
zu nehmen."

Meine Aussagen wurden mit Provokationen und dem Abstreiten, dass die
Hinführung zur Situation in irgendeiner Weise Relevanz hätte, quittiert.
"Wirklich eine Frechheit der alten Frau, dort zu stehen."

Ich bedanke mich erneut für das freundliche und lustige Gespräch. Es hat mir
in meinen Gedanken weitaus geholfen. Vielen dank, Frau Findeisen.

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