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Interrail 2006-Die ersten TageSamstag 16.09.2006 03:59 PM

Leaving on a fasttrain - Ein Reis(e)bericht

Tag 0: Interrail ante portas

Auf Los gehts's los. Auf jeden Fall fast. Es sollte ja erst Morgen früh los gehen. Doch irgendwie erschien auch dafür die Zeit zu knapp. Es gab noch so viel zu tun: putzen, waschen, einkaufen, Tickets und den Nasty holen und nebenher auch noch packen. Also ging es los, Ärmel hochgekrempelt und zugepackt. Gepackt war gleich und so war auch gleich zu sehen, dass noch eine ganze Menge fehlte. Isomatte, Jugendherbergsschlafsäcke und kurze Hosen waren Mangelware. Also gings, den Robert unterm Arm, nach Freiburg. Eingekauft war das meiste schnell und auch der Nasty, der aus Stuttgart kam, war am Bahnhof schnell gefunden. Kleinigkeit, sowas schaff ich mit links. Klar, rechts hatt ich ja schon den Robert. Die Tickets wurden da schon zur größeren Herausforderung, schließlich erwartete uns des Deutschen liebste Beschäftigung, das Schlange stehen (im Süden zieht man eher Nümmerchen, wie wir noch leidvoll zu erfahren hatten). Doch mit etwas Kreativität und viel Humor war auch das gut auszuhalten. Sobald der rettende Schalter erreicht war, erflogte jedoch die Entschädigung für müde Beine umgehend. Mit viel Ruhe, Kompetenz und Humor waren die Tickets bald gekauft, die Reservierungen für den sagenhaft horrenden Preis von 1,50¤ von Mulhouse nach Avignon am Dienstag Morgen bald geritzt. Heimwärts ging's, diesmal mit Robert, Nasty und Einkäufen unterm Arm (wo der dritte Arm her kam bleibt mein Geheimnis). Ein erholsamer einstündiger Aufenthalt in der Icedeale gab Kraft für den Rest des Abends, denn gepackt war ja. Sozusagen. Quasi. Naja, eigentlich lag alles auf einem großen Haufen und wartete darauf, in den bereitliegenden Rucksack gestopft zu werden. Also hieß es quetschen, bis Nasty zum klären der letzten Lapalien (wer trägt das Zelt usw.) auftauchte. Überraschend hatte jedoch nicht nur Nasty das Tauchen gelernt, sondern auch der Schimmer, der uns für 3 Wochen nicht hergeben wollte. Doch wat mut, dat mut. Irgendwann kehrte aber auch hier Ruhe ein und um 2 Uhr nachts war es endlich so weit: ab ins Bett.
Ready to Rock'n'Roll, von uns aus konnte es losgehen, Süden wir kommen! Nur konnten wir nach Mulhouse leider nicht laufen. So wurde kurzerhand ein absolut begeisterter Robert zwangsverpflichtet. Alle anderen schaffen ja was, außer dem faulen Hund.

Tag 1: Endlich Freitag

Naja, eher Dienstag, aber nach der ein oder anderen anstrengenden Woche können fünfe auch mal grade sein und ein Dienstag halt ein Freitag. Also sollte der Tag um halb 7 mit einem Kaffee beginnen, der Stärkung für die weite Reise sein und wecken sollte. Wie das mit Plänen dieser Art allerdings meistens ist, sind sie dann meist doch nur Wunschdenken und nach 13 Jahren Schule ohne ein einziges Mal zu verschlafen haben, zumindest nicht mit Absicht, muss mich der Wecker wohl nachts geärgert haben. Morgens jedenfalls war er aus und pünktlich zur geplanten Abfahrt erschien meine Mutter mit den Worten "Wolltest du nicht schon lang auf sein?" Also aufgesprungen! Angezogen! Alles geschnappt! und dann nix wie los! Letzte Belehrungen von Mamma wurden mit einem müden lächeln, mehr war ohne Kaffee einfach nicht drin, quittiert und weg waren wir. On the road again.
Früher als geplant in Mulhouse angekommen reichte die Zeit dann doch noch für einen Automatenkaffee und ab gings in... den Kühlschrank. Richtung: Avigon. Bald setzte sich aber die Sonne durch und senkrecht an den Himmel und mit jeder Minute veränderte sich das Klima im Zug mehr und mehr von arktischem Winter in Richtung tropischen Sommers. 50°C+. Kein Thema. Doch alles hat ein Ende, außer dem Kille eventuell, der hat nämlich zwei. Nichtsdestotrotz kamen wir so gegen fünf Uhr abends in Avignon an. In der Start war hammerhart die Hölle los. Die Menschen standen sich quasi gegenseitig auf den Füßen. Warum dem so war, fanden wir heraus, nachdem wir die Stadt auf der Suche nach Campingmöglichkeiten schon einmal durchquert hatten. An einem "Wasserloch" trafen wir deutsche Backpackerinnen, die ganz interessiert fragten: "Ac, ihr seid doch sicher auch wegen dem Festival hier?" Jap, mhm, ist klar. Festival? In Avignon gibt es wohl jeden Juli ein Kulturfestival. Coole Sache, Infos über Umsonstschlafgelegenheiten und den einzigen bezahlbaren Supermarkt gabs gratis dazu und dann trennten sich unsere Wege auch schon wieder. Für die Mädels gings in Richtung größter Dopingveranstaltung der Welt (Tour de France in den Pyrenäen) und für uns auf direktem Weg zum Bier. Nächster Halt: Supermarkt "Shoppi". Das Abendessen war schnell gekauft und mit Bier, Baguette und guter Laune gings zum Essen in den Park. Dass uns dort ein Parkwächter darauf hinwies, dass Alkohol auf allen Straßen eigentlich verboten sei, Festival sei Dank, schmälerte die gute Laune nur kurz, schließlich lies er uns fertig trinken. ";ais d'après, c'est finit." Klaro, kein Problem, bei diesen Preisen wollten wir sowieso grade gehn. Kurzer Hand wurde dann ein Nachtzug nac Spanien gebucht und uns blieb genügend Zeit, die Papstresidenz von außen und auch die berühmte Brücke zu besichtigen. Die eine oder andere Performance der Straßenkünstler passte prima in den Plan und danach gings auf nach Marseille. Schließlich wartete dort ein Nachtzug nach Spanien. Eine komfortable Nacht in einem französischen Nachtzug endete um kurz nach sechs im spanischen Port Bou.

Tag 2: Viva Espana

Kurz nach sechs, die ideale Uhrzeit für ein leckeres Frühstück. Dachten wir halt so, leider allerdings denken Spanier da etwas anders. Das hatten wir aber erst noch zu erfahren, also verließen wir den Bahnhof von Port Bou und tappsten mit unseren Rucksäcken beladen runter in die Stadt. Vorbei am einzigen Frühaufsteher in der Stadt, einem Kerl mit Kampfhund, der vor dem Bahnhof rumhing und ab an den Strand. Pünktlich zu unserer Ankunft hatte die Sonne ein Einsehen und erhob sich, zu beiden Seiten von spanischer Felsenküste eingerahmt, leuchtend rot aus dem morgendlichen Dunst. Nur zu beißen gabs nix, Spanier sind eben nicht grade für die Erfindung des früh aufstehens bekannt. So waren unsere ersten Worte in Spanien denn auch auf deutsch, denn die einzigen die so früh auf waren, war eine deutsche Familie im Auto. Touris können echt doof schauen, wenn man sie in ihrer Muttersprache anspricht. Da Port Bou außer dem Sonnenaufgang um sechs Uhr morgens, ganz komischer Weise, nichts zu bieten hatte, gings mit dem nächsten Zug nach Figueres, der Geburtsstadt von Salvador Dalí. Auf dem Weg gabs eine spezielle Version des Carellschen Campingwagens zu sehen. Ein Bett mitten im nichts, umgeben von zwei Campingstühlen. Sind die Holländer endlich pleite, oder war der vorher in Polen im Urlaub? Egal, aus den Augen, aus dem Sinn, schließlich erwartete uns eines der schönsten Museen der Welt. Das Dalí Museum, oh Wunder, schließlich gings ja nach Figueres. Von ihm selbst entworfen sieht's schon von außen irgendwie surreal aus. Nach dem Genuss von warmen Croissants im Park und einem Kaffee direkt vor dem Museum (Nasty entdeckte hier seine Passion für "Kaffee on the rocks"), waren wir denn auch die ersten, die die durchgeknallte Welt des Salvador D. betraten. Ein unschätzbarer Vorteil, wie sich am Besucherpegel mit der Zeit feststellen lies. Beim Verlassen dieses Meisterwerks des Surrealismus hatte sich davor dann auch eine sehr reale Schlange von ca. 100 m Länge gebildet. Tja, selbst schuld ihr Langschläfer.
Weiter ging die wilde Hatz. Barcelona wartete schließlich. Nachdem die Stadt erreicht war, gings auch gleich wieder hinaus. Auf den Campingplatz im Badeort El Masnou. Leichter gesagt als getan. Die Wegbeschreibung die wir hatten, war vage und hier musste ich das erste mal feststellen, dass mein Spanisch zwar zum fragen ausreicht, aber wer zum Teufel sollte die Antworten verstehen, wenn die Leute auch im Lokaldialekt Katalonisch antworten. Ein älterer Herr half schließlich auf Französisch aus und endlich war der rechte Weg gefunden. Als El Masnou schließlich erreicht war, standen wir vor der nächsten Herausforderung: Wie zum Teufel baut man das mitgebrachte Zelt auf, schließlich hatte das noch keiner von uns getan. Kein problem dachten wir uns und zwei Affen versuchten sich an der Relativitätstheorie. Mit einem mehr oder weniger brauchbaren Ergebnis nach ganz schön viel Zeit, waren wir dann auch zufrieden. Der Aufnahme erster sozialer Kontakte stand also nichts mehr im Wege. Als geeignete Objekte für unsere Triebe boten sich denn auch gleich zwei Polen, ein paar Engländer und ein Wiener an. Der Pole stellte sich allerdings bald als Enttäuschung heraus. Ständig besoffen und ohne einen Gedanken an den Zuhörer erzählte er immer das gleiche. Das allerdings ohne Unterbrechung. Also sah man sich nach neuen Opfern um. Die Engländer und der Ösi waren besser geeignet. Bald wurde das Bier geteilt, unsere Nudeln gegen deren Grillgut getauscht und der Vollsuff war vorprogrammiert. Zu fortgeschrittener Stunde ging's dann ab ans Meer und zum ersten Mal auf unserer Fahrt kamen wir mit Salzwasser in Berührung. Danach gings wieder auf den Campingplatz. Davon war der alte Platzwächter allerdings wesentlich weniger belustigt als wir. "500 people want to sleep here, please be quiet." Ist gebongt! Doch um zwei wurden wir sowieso der Sache überdrüssig, der Tag war schließlich ein langer. Also gings ab in die Heia, für einen Tag hatten wir schließlich genug gesehen.

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