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BEREIT ZU TÖTEN!

o6.o9.'o8Samstag 06.09.2008 11:04 PM

Sehnsucht ist die achte Farbe des
Regenbogens

Irgendwo, weit weit weg ist ein Mädchen
unterwegs, in der einen Hand hält sie einen
Pinsel und in der anderen einen Topf voller
sehnender Sehnsucht. Wie dieses Mädchen
heisst und wie sie aussieht, das kann ich
nicht erklären, das kann man nur verstehen,
also musst du das selber mit deinen eigenen
Pinseln ausfüllen.

Das Mädchen ist zum Regenbogen unterwegs,
sie
will ihn mit ihrer sehnenden Sehnsuchtsfarbe
ausmalen. Dann zieht er sich nämlich nicht
mehr jedes mal zurück, wenn man versucht
sich
ihm zu nähern. Und wenn er mit Sehnsucht
angemalt worden ist, kann man ihn sogar
betreten. Und genau das hat sie vor: sie
will
den Regenbogen hinaufwandern, bis auf seinen
höchsten Punkt, und dann auf der anderen
Seite herunterrutschen.

Wenn man den Regenbogen mit Sehnsucht
angemalt hat, wird er nämlich mit seinem
anderen Ende bei demjenigen verankert, nach
dem man sich sehnt. Irgendwo weit, weit weg
geht ein Mädchen mit ihrer Sehnsucht, und
ich
glaube, du weisst wie sie heisst und wie sie
aussieht, das hast du alles schon mit deinem
eigenen Pinsel ausgefüllt.

Das Mädchen ist zum Regenbogen unterwegs,
ja,
und das verstehst du sicher, das ihr eine
lange Wanderung bevorsteht. Zwar wird der
Regenbogen sich nicht mehr zurückziehen,
wenn
sie ihn erst angemalt hat, aber um ihn
anzumalen, muss sie erst einmal ankommen.
Irgendwo weit, weit weg ist ein Mädchen mit
ihrer Sehnsucht unterwegs.

Der Regenbogen zieht sich zurück und das
Mädchen folgt ihm weit, die Kraft der
Sehnsucht in ihrem Topf wird sie am
Stehenbleiben hindern. Und darum kommt sie
schließlich auch dort an, wohin sie sich
gesehnt hat. Ja und wenn sie rund um die
Erde
wandern müsste, weil sie sich vielleicht die
ganze Zeit nach Hause gesehnt hat, käme sie
schließlich doch an den Ort, nach dem sie
sich gesehnt hat.

Aber dieses Mädchen sehnt sich nicht nach
Hause, sie sehnt sich nach dir, ihrem Freund
am anderen Fuße des Regenbogens. Und wenn du
dich genauso sehr nach ihr sehnst, kommt sie
ganz bestimmt.

Ja, auf einmal steht sie hier, direkt hinter
dir... Sie wandert da mit ihrem Pinsel und
ihrem Eimerchen voller Sehnsucht, wandert
zum
Regenbogen, um ihn für alle Ewigkeit haltbar
zu machen, doch er zieht sich zurück.

Das ist die Natur des Regenbogens, das ist
das Gesetz der Sehnsucht.

Das alles hat sie begriffen, aber deshalb
bleibt sie noch lange nicht stehen, wirft
sie
ihre Sehnsucht noch lange nicht weg. Nein,
über Land und Meer führt sie die Reise,
immer
wieder rund um die Erde herum.

Derjenige nach dem sie sich sehnt, hat
ebenso
grosse Sehnsucht nach ihr. Das weiss sie
nicht, aber es ist tatsächlich so. Obwohl es
sehr ungewöhnlich ist, kommt es manchmal
trotzdem vor. Auch vor ihm zieht sich der
Regenbogen zurück, ist ja klar, und auch er
wandert so wie sie.

Das ist die Natur des Regenbogens, das ist
das Gesetz der Sehnsucht.

Nun geschieht etwas mit ihrer Wanderung,
etwas das so selten geschieht, dass viele es
für unmöglich halten. Einen Tages kommt
jeder
von ihnen an einen Punkt, wo sie den
Regenbogen genau zwischen sich haben. Da
kann
er sich natürlich nicht vor dem einen
zurückziehen, ohne sich dem anderen zu
nähern.

Und so kommt es, dass er stehen bleibt, ganz
gegen seine Natur und bald haben sie, je
einen Fuss des Regenbogens erreicht und
können endlich anfangen, ihn mit ihrer
Sehnsucht anzumalen. All das, was sie bisher
nur in den Märchen gehört haben, stellt sich
jetzt als wahr heraus, nämlich das es die
Sehnsucht ist, die all den anderen Farben
ihre Leuchtkraft verleiht.

Und auch das entpuppt sich als wahr: dass
der
Regenbogen stark wird, so stark, dass man
ihn
betreten kann. Höher und höher malen sie
sich
den immer stärker leuchtenden Regenbogen
hinauf. Die Sicht wird weiter, bald können
sie in grössere Fernen blicken, als es
irgendwelchen Menschen je vor ihnen gelungen
ist. Die Aussicht macht sie immer
aufgeregter.

Jetzt wollen sie sich begegnen und einander
alles erzählen. Schliesslich ist der kleine
Teil der Welt, der sich hinter der Kuppe des
Regenbogens verbirgt, das einzige was sie
nicht sehen können. Sie sieht den Jungen
nicht, er sieht das Mädchen nicht. Noch
nicht, aber gleich, ja jetzt, wenn sie den
Kopf nur nicht so tief gebeugt hätte, ja
jetzt, wenn er nur den Tanz seines Pinsels
nicht so aufmerksam betrachtet hätte.

Jetzt sind sie einander tatsächlich
begegnet,
hoch oben auf der Kuppe des Regenbogens
malen
sie nebeneinander. Aber er sieht nicht in
ihre Richtung und sie nicht in seine. Ein
Blick, ein einziges kurzes
Zueinanderrüberblicken würde genügen - das
ist dir wohl klar - um einen so starken
Lichtschein zu erzeugen, dass alle Menschen
auf der ganzen Welt ihn dort oben am Himmel
entdecken und etwas über ihre ungeheure
Sehnsucht erfahren würden, die den Jungen
und
das Mädchen dorthin geführt hatte. Das war
ihnen zu riskant.

Doch alle Kraft, die sie dafür aufbringen
mussten, einander nicht anzublicken, diese
ganze Kraft stand im Widerspruch zum Gesetz
der Sehnsucht, war der Natur des Regenbogens
total entgegengesetzt.

Soviel Gegenkraft, ein so starker
Naturwiderstand, die Tatsache, dass sie
aneinander vorbeimalten, ohne sich
anzuschauen, das konnte kein gutes Ende
nehmen. Mit einem Knall zerplatze alles,
wonach sie sich gesehnt und was sie gemalt
hatten, krachend zerbarst der Regenbogen vom
Fuss bis zur Kuppe.

Funkelnde Scherben regneten auf die Erde
hinab. Zwar leuchteten sie in den schönsten
Farben, aber Scherben bleiben sie dennoch,
und als sie auf den Boden auftrafen,
verwandelten sie sich für kurze Zeit in
Schimmerwasser, dann in nasse Glanzflecken
und zu guter Letzt in gar nichts .





Irgendwie schoen. :D

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