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you're not dead, you're sleeping. :(

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für zoupieDienstag 24.02.2009 05:44 PM

"Er ist tot."
Hab ich nicht geglaubt. Und kann es mir noch immer nicht vorstellen.
Du hast immer gelacht. Immer. Wirklich. Wahrscheinlich bist du der einzige Mensch – warst du – von dem man das sagen kann. Ernsthaft, nicht nur so dahingesagt.
Weißt du, es ist hart, verdammt hart, wie schnell das geht. Wie schnell alles vorbei sein kann. Wie schnell man alles, was man noch erleben, machen, sehen wollte, in den Wind schießen kann.
Ein Leben auf der Überholspur, zwanzig Millionen PS und dann platzt der Reifen. Platzen alle vier. Auf einmal. Kein Reserverad. Nichts.
Ich konnte noch nicht richtig um dich weinen, weil ich noch nicht merke, dass du weg bist. Wie auch. Wir sehen uns viel zu selten. Haben uns zu selten gesehen. Wann fängt das an, das Vermissen? Auf der nächsten Party? Beim nächsten Mal Vorbeigehen an deinem Haus, ohne dein Auto davor stehen zu sehen? Mit der stetig wachsenden Zahl, die deine Tage im Offline dokumentiert? Wobei dem Begriff offline hier eine ganz neue Bedeutung zukommt.
Wie dumm, dass wir so selten was unternommen haben. Das wär doch saulustig geworden. Weil mit dir alles eben so schön war, so einfach, so unkompliziert. Weil du selbst einfach so ein zufriedener Mensch warst. Weil du Glück verbreitet hast, glücklich gemacht hast. Weil man nicht umhin konnte, zu grinsen, wenn man dich gesehen hat.
Wir müssen Fotos zusammen machen, hast du gesagt, vor ein paar Tagen.
„Zu spät“ wurde mal zum traurigsten Begriff der deutschen Sprache gekürt. Ist es doch auch, traurig. Für irgendwas ist es immer zu spät. Aber nicht immer für so viel. Viel zu viel. Zu spät für alle, die noch mehr Zeit mit dir verbringen wollten. Zu spät für fällige Entschuldigungen – oder noch nicht erfüllte Wetteinsätze. Zu spät zum Feiern, zu spät zum Zusammensein. Zu spät zum Ausziehen von zu Hause, zu spät zum Weltentdecken. Zu spät zum Heiraten, zu spät, eine Familie zu gründen. Zu spät fürs Älterwerden, fürs Graue-Haare-Suchen. Zu spät, um sich zu verabschieden – aber viel zu früh, um zu gehen. Zu spät, den Rest deines Lebens zu leben.
Vielleicht wärst du irgendwann noch mal ernst geworden, ein nachdenklicher Mensch. Oder verbittert, weil dein Leben nicht so verlief, wie du es dir gewünscht hättest. Oder du wärst einfach derselbe Mensch geblieben, der, den ich für immer in Erinnerung behalten werde.
Du hast nicht die Chance erhalten, es herauszufinden. Wirst sie nie erhalten und wirst dich auch nie darüber ärgern. Weil du weg bist. Weil du dich jetzt nicht mehr zu ärgern brauchst.
Ich weiß nicht, wo du jetzt bist, oder ob du wo bist. Doch wenn du wo bist - hoffentlich geht es dir dort gut.
Ich kann dich noch nicht vermissen, weil ich dich noch nicht vermissen will.
Auf deiner Beerdigung werde ich weinen. Ich werde heulen und wütend sein auf Gott, auf die Ungerechtigkeit, auf den Baum, auf die Straße. Auf das Auto, das nie wieder vor deinem Haus stehen wird.
Ich werde versinken in Selbstmitleid, weil mir ein Freund genommen wurde.
Und dann werde ich dich vermissen.
Irgendwann werde ich beizeiten ein schlechtes Gewissen haben. Weil ich so selten an dich denke. Weil wir uns so wenig gesehen haben. Weil ich Angst habe vor dem Moment, an dem ich mir dein Gesicht nicht mehr in Erinnerung rufen kann, erst, wenn ich mir Fotos zu Hilfe hole. Lachende Fotos, glückliche Fotos.
Vergessen werde ich dich nie.
In ein paar Wochen wärst du zwanzig geworden. Du warst so jung.
Ich hab dich lieb, mein Freund.
Jetzt werden wir niemals unsere Fotos machen können.

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