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Du bist nicht mehr da, wo du warst, aber du bist überall, wo wir sind.♥

erstes Kapitel - Edward, auf den ersten BlickDienstag 27.10.2009 02:06 PM

Nie wünsche ich mir sehnlicher schlafen zu können als zu dieser Tageszeit.
Schule
Oder sollte ich lieber Hölle sagen? Wenn es mir jemals gegeben wäre für meine Sünden zu büßen, müssten mir diese stunden angerechnet werden. An die Langeweile würde ich mich nie gewöhnen - jeder Tag erschien mir noch eintöniger als der vorherige
Vermutlich war das eine Form des Schlafs - wenn man schlaf als einen Zustand der Untätigkeit zwischen aktiven Phasen definiert.
Ich starrte auf die Risse im Putz an der gegenüberliegenden Wand der Cafeteria und stellte mir muster vor, die gar nicht da waren. Das war eine Möglichkeit, die stimmen abzulenken, die wie ein endloser Strom in meinem Kopf rauschten. Hunderte dieser stimmen ignorierte ich aus Desinteresse. Was menschliche Gedanken betraf, hatte ich alles schon gehört, und das nicht nur einmal. Heute drehten sich alle Gedanken um ein ziemlich banales Schauspiel, eine neue Schülerin an der kleinen Schule. Läppisch, doch es genügte, um sie in Aufregung zu versetzen. Ich hatte das neue Gesicht immer wieder und aus allen möglichen Blickwinkeln in den Gedanken der anderen gesehen. Ein ganz gewöhnliches Mädchen. Der Wirbel um ihre Ankunft war auf ermüdende weise vorhersehbar - als wenn man einem kleinen Kind einen glitzernden Gegenstand hin hält. So einfältig waren die jungen, dass die Hälfte von ihnen im Geiste schon in sie verliebt war, nur weil sie den Augen einen neunen reiz bot. Ich verstärkte meine Bemühungen, die stimmen auszublenden. Allein vier Stimmen schaltete ich aus purer Höflichkeit aus: die meiner Familie, meiner beiden Brüder und meiner beiden Schwestern. Sie waren schon so daran gewöhnt, in meiner Nähe keine Privatsphäre zu haben, das sie kaum noch einen Gedanken daran verschwendeten. Und ich ließ ihnen so viel Privatsphäre wie möglich. Wenn es irgend ging, versuchte ich nicht hinzuhören. Doch so sehr ich mich bemühte…ich wusste doch bescheid. Rosalie dachte, wie üblich, an sich selbst. Sie hatte ihr Profil in jemandes Brille erhascht und sann über ihre Vollkommenheit nach. Rosalies Gedanken waren ein seichter Tümpel ohne besondere Überraschungen. Emmett war wütend, weil er gestern Nacht einen Ringkampf gegen Jasper verloren hatte. Es kostete ihn all seine spärliche Geduld, das Ende des Schultags abzuwarten, um eine Revanche zu arrangieren. Wenn ich Emmetts Gedanken lauschte, kam ich mir eigentlich nie indiskret vor, denn er dachte niemals etwas, das er nicht auch aussprechen oder in die Tat umsetzen würde. Vielleicht machte es mir nur deshalb ein schlechtes Gewissen, die Gedanken der anderen zu lesen, weil ich wusste, dass ich bestimmte Dinge nicht erfahren sollte. Wenn Rosalie Gedanken ein seichter Tümpel waren, dann waren Emmetts Gedanken ein glasklarer, schattenloser See. Und Jasper….er litt. Ich unterdrückte ein Seufzen. ….>>Edward<<….. Alice rief im Geist meinen Namen, und sofort hatte sie meine Aufmerksamkeit. Es war so als hätte sie meinen Namen laut ausgesprochen. Ich war froh darüber, dass mein Name inzwischen aus der Mode war – es war doch recht ärgerlich gewesen; immer wenn jemand an irgendeinen Edward dachte, wendete ich unwillkürlich den Kopf… Jetzt fuhr mein Kopf nicht herum. Alice und Ich beherrschten Privatgespräche dieser Art. Nur selten ertappte uns jemand dabei. Mein Blick ruhte auf den Rissen im Putz. ...>>Wie hält er sich?<<, fragte sie. Ich setzte seine finstere Miene aus, verzog ein wenig den Mund. Das würde mich nicht verraten. Ich hätte ebenso gut aus Langeweile finster dreinschauen können. Jetzt klang Alice erschrocken, und in ihren Gedanken sah ich, dass sie Jasper aus dem Augenwinkel beobachtete. ….>>Besteht irgendeine Gefahr?<< Langsam drehte ich den Kopf nach links, als würde ich mir die Ziegelsteine in der Wand anschauen, seufzte und schaute dann wieder nach rechts zu den Rissen im Putz. Nur Alice wusste, dass das ein Kopfschütteln war. Ihre Anspannung legte sich. ...>>Sag mir Bescheid, wenn es zu schlimm wird. << Ich bewegte nur die Augen , schaute hoch an die Decke, dann nach unten. …>>Ich danke dir<<…. Ich war froh, dass ich ihr nicht laut antworten konnte. Was hätte ich sagen sollen? Es ist mir ein Vergnügen? Das war es wohl kaum. Es machte mir keinen Spaß, Jaspers inneren Kämpfen zu lauschen. War es wirklich nötig, dass er sich derart auf die Probe stellte? Sollte er sich nicht besser eingestehen, dass er seinen Durst womöglich nie so im Griff haben würde wie wir anderen, und sich nicht so viel abverlangen? Warum das Unglück herausfordern?

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