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Du bist nicht mehr da, wo du warst, aber du bist überall, wo wir sind.♥

erstes Kapitel - Edward, auf den ersten BlickDienstag 27.10.2009 02:01 PM

Im Sekretariat war niemand außer der Sekretärin, und genau mit der wollte ich sprechen. Sie hörte mich nicht, als ich lautlos hereinkam. …>>Mrs Cope?<<… Die Frau mit den unnatürlich roten Haaren schaute auf und ihre Augen weiteten sich. Die kleinen Merkmale, die sie nicht verstanden, trafen immer alle unvorbereitet, selbst wenn sie uns schon häufig gesehen hatten. …>>Oh<<…, stieß sie ein wenig nervös hervor. Sie zog ihr T-Shirt herunter. …>>Albern<<, dachte sie. >>Er könnte fast mein Sohn sein. Zu jung, um so an ihn zu denken<<…>>Hallo, Edward. Was kann ich für dich tun?<<. Sie klimperte mit den Lidern hinter der dicken Brille. Unangenehm. Aber ich konnte charmant sein, wenn ich wollte. Es war leicht für mich, weil ich immer sofort wusste, wie meine Worte und Gesten beim anderen ankamen. Ich beugte mich vor und erwiderte ihren Blick, als schaute ich ihr tief in die ausdruckslosen, kleinen braunen Augen. Schon waren ihre Gedanken in Aufruhr. Es war bestimmt kein Kinderspiel. …>>Ich habe überlegt, ob sie mir wohl bei meinem Stundenplan behilflich sein könnten<<, sagte ich mit der weichen Stimme, die ich einsetzte, wenn ich die Menschen nicht verschrecken wollte. Ich hörte, wie ihr Herz schneller schlug. …>>Natürlich, Edward. Wie kann ich dir helfen?<<…>>Zu jung, zu jung, zu jung<<, predigte sie sich. Damit lag sie natürlich daneben. Ich war älter als ihr Großvater. Doch wenn man nach meinem Führerschein ging, hatte sie Recht. …>>Ich habe überlegt, ob ich statt des Biologiekurses eine andere Naturwissenschaft belegen könnte. Zum Beispiel Physik?<< …>>Gibt es Probleme mit Mr Banner, Edward?<< …>>Ganz und gar nicht, es ist nur so, dass ich den Stoff bereits durchgenommen habe…<< …>>In der Schule für Hochbegabte, die du in Alaska besucht hast, ich verstehe.<< Während sie darüber nachdachte, stürzte sie die schmalen Lippen. ..>>Die müssten eigentlich alle auf dem College sein. Ich habe die Klagen der Lehrer gehört. Alle glatt Eins – Komma – Null, nie ein Zögern bei der Antwort, nie ein Fehler in den Klassenarbeiten – als hätten sie es raus in allen Fächern zu schummeln. Mr Varner dachte lieber, dass einer schummelt, als das ein Schüler ihm überlegen ist…Ich wette, ihre Mutter unterrichtet sie…<<…>>Edward, der Physikkurs ist zurzeit eigentlich voll. Mr Banner möchte nicht mehr als fünfundzwanzig Schüler in einem Kurs haben…<< …>>Natürlich nicht. Doch nicht einer von den perfekten Cullens.<<…>>Ich weiß, Edward. Aber es gibt schon jetzt nicht genug Plätze…<< …>>Könnte ich den Kurs dann streichen? Ich könnte die Zeit zum Selbststudium nutzen.<< …>>Biologie streichen?<< …Ihr blieb der Mund offen stehen. …>>Das ist absurd. Es kann doch nicht so schwer sein, eine Stunde abzusitzen, in der man nichts Neues lernt! Da muss es doch ein Problem mit Mr Banner geben. Ob ich mit Bob darüber reden sollte?<<…>>Dann hast du für den Abschluss aber nicht genug Stunden belegt.<< …>>Die hole ich nächstes Jahr nach.<< …>>Sprich doch lieber mit deinen Eltern darüber.<< Hinter mir ging die Tür auf, doch die Person, die da hereinkam, dachte nicht an mich, deshalb ignorierte ich sie und konzentrierte mich auf Mrs Cope. Ich beugte mich noch etwas weiter vor und riss die Augen noch etwas weiter auf. Die Wirkung wäre besser, wenn sie golden wären statt schwarz. Die schwarze Farbe machte den Leuten Angst, das war ja auch der Sinn der Sache. …>>Bitte, Mrs Cope.<< Ich ließ meine Stimme so weich und unwiderstehlich klingen wie möglich – und sie konnte ziemlich unwiderstehlich klingen. …>>Gibt es nicht irgendeinen anderen Kurs, in den ich wechseln könnte? Da gibt es doch bestimmt noch irgendwo einen freien Platz. Biologie kann nicht das einzige Fach sein, das man in der sechsten Stunde belegen kann…<< Ich lächelte sie an, machte mein Gesicht weich und achtete darauf, die Zähne nicht zu sehr zu zeigen, denn ich wollte ihr ja keine Angst einjagen. Ihr Herz schlug noch schneller. …>>Zu jung<<, mahnte sie sich verzweifelt. …>> Na ja, vielleicht kann ich mal mit Bob – ich meine Mr Banner – reden. Ich kann mal sehen, ob…<< Nur eine einzige Sekunde, und alles war anders: die Atmosphäre im Raum, das, was ich hier wollte, der Grund weshalb ich mich zu der rothaarigen Frau beugte… Der Zweck war plötzlich ein ganz anderer als zuvor. Nur eine einzige Sekunde brauchte Samantha Wells, um die Tür zu öffnen, einen unterschriebenen Verspätungszettel in den Ablagekorb an der Tür zu legen und wieder hinauszurauschen; sie hatte es eilig, die Schule zu verlassen. Nur eine einzige Sekunde, und der plötzliche Luftzug, der durch die geöffnete Tür kam, trat mich mit voller Wucht. Nur eine einzige Sekunde, und mir wurde klar, warum mich die Person, die vorhin hereingekommen war, nicht mit ihren Gedanken unterbrochen hatte. Obwohl ich mich nicht vergewissern brauchte, drehte ich mich um. Ich zwang mich, es langsam zu tun, und musste dabei gegen meine rebellierenden Muskeln ankämpfen. Bella Swan war mit dem Rücken an die Wand neben der Tür gepresst, sie hielt irgendwelche Papiere krampfhaft in den Händen. Als sie meinen grimmigen, unmenschlichen Blick sah, wurden ihre Augen noch größer, als sie schon waren. Der Geruch ihres Blutes durchdrang jedes Partikel der Luft in dem winzigen, heißen Raum. Meine Kehle ging in Flammen auf. Wieder starrte mich das Monster aus dem Spiegel ihrer Augen an, die Maske des Bösen. Meine Hand blieb über der Theke in der Luft hängen. Ohne mich umzuschauen, hätte ich hinüberlangen und Mrs Copes Kopf mit tödlicher Wucht auf den Schreibtisch knallen können. Nur zwei Leben anstatt zwanzig. Ein guter Tausch. Gespannt wartete das hungrige Monster darauf, dass ich es tat. Doch man hatte immer eine Wahl – das musste einfach so sein. Ich hielt die Lungen an und rief mir Carlisle Gesicht vor Augen. Dann wandte ich mich wieder Mrs Cope zu und hörte ihre Überraschung beim Anblick meines veränderten Gesichtsausdrucks. Ich brachte die ganze Selbstbeherrschung auf, die ich in jahrzehntelanger Übung gelernt hatte, und ließ meine Stimme ruhig und sanft klingen. Die Luft in meinen Lungen reichte gerade noch, um einmal ganz schnell etwas zu sagen. …>>Okay. Ich verstehe, dass es unmöglich ist. Haben sie vielen Dank für ihre Mühe.<< ich wirbelte herum und stürzte aus dem Raum, ganz nah an Bellas Körper vorbei, und dabei versuchte ich die Hitze ihres Bluts so gut es ging zu ignorieren. Ich lief viel zu schnell und blieb erst stehen, als ich bei meinem Volvo war. Die meisten Menschen waren schon fort, es gab also nicht viele Zeugen. Ich hörte, wie ein Achtklässler, Austin Marks, etwas bemerkte, der Sache aber keine weitere Beachtung schenkte. …>>Wo kommt denn Cullen plötzlich her – als wär er aus dem Nichts gekommen… Da hat meine Fantasie mir mal wieder einen Streich gespielt. Mom sagt immer…<< Als ich mich auf den Sitz gleiten ließ, waren die anderen schon da. Ich versuchte ruhig zu atmen, doch ich schnappte nach Luft, als wäre ich gerade den Erstickungstod entronnen. …>>Edward?<<, fragte Alice. Es klang besorgt. Ich schüttelte nur den Kopf. …>>Was ist denn mit dir los?<<, wollte Emmett wissen und vergaß für einen Augenblick den Ärger darüber, dass Jasper nicht in der Stimmung für eine Revanche war. Statt einer Antwort legte ich den Rückwärtsgang ein. Ich musste von diesem Parkplatz runter, bevor Bella Swan mir auch noch hinterher nachkam. Mein persönlicher Dämon, der mich verfolgte … Ich riss den Wagen herum und gab Gas. Noch ehe wir auf der Straße waren, stand der Tacho auf sechzig. Und ehe ich um die Ecke bog, stand er auf hundertzehn. Ohne hinzusehen wusste ich, dass Emmett, Rosalie und Jasper alle Alice anstarrten. Sie zuckte die Achseln. Sie konnte nicht sehen, was geschehen war, nur was kommen würden. Jetzt schaute sie für mich in die Zukunft. Wir verfolgten beide, was sie in ihrem Kopf sah, und wir waren beide überrascht. ...>>Du gehst weg?<<, flüsterte sie. Jetzt starrten die anderen mich an. …>>Ja?!<<, zischte ich durch die Zähne. Da sah sie, wie mein Entschluss ins Wanken geriet und meine Zukunft eine dunklere Wendung nahm. …>>Oh.<< Bella Swan, tot. Meine Augen, glühend rot von frischem Blut. Die darauf folgende Fahndung. Dann das vorsichtige Abwarten, bis wir es wagen konnten, den Ort zu verlassen und neu anzufangen… …>>Oh<<, sagte sie wieder. Das Bild wurde detaillierter. Ich sah das Haus von Polizeichef Swan zum ersten Mal von innen, sah Bella in einer kleinen Küche mit gelben Schränken, wie sie mir den Rücken zugewandt hatte, während ich mich aus dem Schatten an sie heranpirschte … mich von ihrem Geruch locken ließ… …>>Halt!<<, stöhnte ich. Mehr konnte ich nicht ertragen. …>>Entschuldige<<, flüsterte sie, die Augen weit aufgerissen. Das Monster frohlockte. Und wieder änderte sich die Vision in ihrem Kopf. Ein verlassener Highway bei Nacht, schneebedeckte Bäume am Straßenrand, die mit einer Geschwindigkeit von über dreihundert Stundenkilometer vorbeirasten. …>>Du wirst mir fehlen<<, sagte sie. Emmett und Rosalie wechselten einen besorgten Blick. Wir hatten jetzt fast die Stelle erreicht, wo der lange Zufahrtsweg zu unserem Haus abzweigte. …>>Lass uns hier raus<<, sagte Alice. …>>Du sagst es Carlisle besser selbst.<< ich nickte und brachte das Auto mit quietschenden Reifen zum stehen. Schweigend stiegen Emmett, Rosalie und Jasper aus; sie würden von Alice Erklärung verlangen, sobald ich fort war. Alice berührte mich an der Schulter. …>>Du wirst das Richtige tun<<, murmelte sie. Das war keine Vision – es war ein Befehl. …>>Sie ist Charlie Swans einzige Angehörige. Es würde auch ihn umbringen.<< …>>Ja<<,sagte ich, aber ich stimmte nur der letzten Aussage zu. Sie stieg aus und ging zu den anderen. Ihre Augenbrauen zogen sich nervös zusammen. Die vier verschmolzen mit dem Wald und waren unsichtbar, noch ehe ich den Wagen gewendet hatte. Ich gab Gas und fuhr zurück in die Stadt, und ich wusste, dass die Visionen in Alice‘ Kopf wie die Lichtblitze eines Stroboskops von hell zu dunkel wechseln würden. Als ich mit hundertvierzig Sachen zurück nach Forks fuhr, wusste ich noch nicht, wo ich hinwollte. Mich von meinem Vater verabschieden? Oder das Monster in mir willkommen heißen? Die Straße flog unter den Reifen meines Wagens dahin.

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